Ich wurde in den Haushalt eines der höchstrangigen Tübinger Beamten gerufen, um dort Kunst und Antiquitäten für die Hausratsversicherung zu schätzen. Nach Abschluß dieser Tätigkeit sagte die Dame des Hauses auf meine Frage, ihren Schmuck wolle sie zu einem gesonderten Termin ebenfalls noch schätzen lassen. Dazu kam es aber leider nicht mehr, denn kurz darauf wurde der Haushalt der auch in anderer Hinsicht vielgeplagten Familie von Einbrechern heimgesucht, wobei der gesamte Schmuck abhanden kam. Die Geschädigten waren nun völlig auf die Kulanz der Versicherung angewiesen, nicht gerade eine ideale Situation. Da Einbrüche nicht gerade dann öfter passieren, nachdem ich einen Haushalt besichtigt habe, bin ich bislang nicht in Verdacht geraten, der Tippgeber für Gangster zu sein. In einem Krimi mit dem Tübinger Schauspieler Klaus Barner spielte dieser einen Kunsthändler, der einst ein Gemälde von Macke verkauft hatte. Nun ließ er im Film den Besitzer ermorden, um wieder an das Bild zu kommen. Aus der Literatur kennt man diese Art von Besessenen ja in Gestalt des Juweliers im "Fräulein von Scudery" von E.T.A. Hoffmann: Auch hier ermordet der begnadete Goldschmied seine Käufer, um die selbstgefertigten Preziosen wiederzuerlangen. Dass so etwas außerhalb des fiktionalen Genres vorkommen soll, habe ich in einem Fall mehrfach gehört.