In einer bibliothek aus dem nachlass einer kundin (wie ich an einigen einst von mir selbst ausgezeichneten und nun erneut hereingekommenen büchern erkennen konnte) befand sich ihr tagebuch, beginnend mit dem tod ihres letzten sohnes. Den ersten hatte sie davor schon verloren, nach dem tod ihres mit 39 gestorbenen mannes, so dass sie nun mit über 80 ganz allein dastand, und das bei beginnender krebserkrankung. Wie in einer griechischen tragödie quält sie sich mit der frage, wer nach ihrem tod verpflichtungsgemäß das grab eines vorverstorbenen verwandten pflegen soll. Enorm wichtig wäre ihr auch, mit ihren jeweils weit entfernt bestatteten söhnen im grab vereint zu sein. Auch ihre eigene beerdigung plant sie akribisch, auch wenn sie „angst vor dem sterben“ hat. Wenn ich je einen roman schreiben wollte, würde ich ihn mit so einem fund beginnen lassen.