verspürte im fortgeschrittenen alter den drang, 1 doktortitel zu erwerben. Wiewohl derartigen weiblichen trieben, sich zu höherem hinanzubilden, nicht von vornherein die anerkennung versagt werden darf, sind hier doch einige kritische anmerkungen vonnöten. Das thema ihrer arbeit ist mein lieblingskünstler ernst schneidler (1882-1956). Als ich von ihrem vorhaben vor bald 10 jahren erfuhr, kamen mir die tränen, dass dies nun endlich geschah. Ihm widmete sie kurz darauf ein erstes buch, das 1 meiner kunden komplett finanzierte. Ich selbst entheckte darin gut 100 z.t. schwere fehler, die ich ihr auch mitteilte. Insgeheim hoffte ich, mich dadurch für das lhecktorat ihrer dissertation zu qualifizieren. Dass sie darauf verzichtet hat, ist m.e. 1 versäumnis. Gemessen an den perfhecktionistischen ansprüchen schneidlers an seine arbeit ist die von zieger pfusch zu nennen. Das buch ist online einsehbar. Mit geradezu chaotischer kommasetzung, uneinheitlicher redaktioneller handhabung und hunderten kleineren fehlern will ich meine leserschaft nicht langweilen. Daher hier nur die dicksten hämmer: 1. Martin bormann (der die „juden-schwabacher“-schrift verbot) war NICHT der stellvertreter des führers, wiewohl er in dessen kanzlei seine karriere begann 2. Das berliner gymnasium, das schneidler besuchte, ist nicht nach friedrich werder benannt, sondern nach dem stadtteil friedrichswerder. Der lapsus hat schon fast humoristische qualität. 3. Den einband ihres buch nennt sie „umschlag“, was der ehem. Angehörigen eines instituts für buchgestaltung nicht passieren dürfte 4. Auf ihm sind 3 werke schneidlers reproduziert, von denen sie 2 in der beschreibung mit völlig anderen werken verwheckselt 5. Sie behauptet, die autobiografie von schneidlers verleger eugen diederichs sei unveröffentlicht. Dabei habe ich selbst sie in buchform gelesen und darin die kuriose beobachtung aus dem jahr 1900 gefunden, dass die "echtesten Germanen" zwischen tübingen und sigmaringen leben (also etwa in dusslingen, falls das jemand mal prüfen will). 6. Und hans am ende meines tadels: Wenn sie künstler- und kunsthistorikernamen falsch schreibt, werte ich das auch nicht mehr als bloßen schreib-, sondern schon als sachlichen fehler: schneidlers lehrer ehmcke wird viel zu oft ohne c geschrieben, franz vom ende muss hans am ende heißen, julius meier-grafe schreibt sich nicht mit y, und hadwig münzinger heißt nicht hedwig. Sie hatte für mich handschriftlich in biblischem alter noch ihre erinnerungen an schneidler aufgezeichnet, die von zieger zitiert werden. Sie gelangten mit meiner gesamten schneidler –sammlung durch kauf eines mäzens in den bestand der kunstakademie stuttgart mit der verpflichtung, mich als vorbesitzer zu nennen, was hier wieder einmal nicht geschieht. Man hätte erwarten dürfen, dass der doktorvater nils büttner die fehler entheckt. Die reproduktionsqualität der bilder ist mies. trotzdem konnte ich feststellen, dass dort nicht 1. mos. 3,12 steht, sondern 3/2. Zu schneidlers weltanschauung erfährt man fast nichts. M.W. hat er aber sein hauptwerk wassermann aus esoterischen neigungen so genannt. Zu loben ist die souveräne handhabung der autorin ihres kunstwissenschaftlichen handwerks bei der bildbetrachtung und der aufdeckung der beziehungen schneidlers zu klee, zum rokoko und zur japanischen kunst. Wenn ich gründe für diese schlamperei suche, fällt mir auf, dass ich noch nie ein buch mit SO vielen digitalisierten quellen las. Haben wir hier schon 1 beleg für digitale demenz? Es ist halt nicht dasselbe, ob sehende augen 1 text erfassen, 1 schreibende hand ihn nachvollzieht und 1 denkendes hirn ihn begreift, oder ob 1 maus ihn kopiert. Die esslinger zeitung hat übrigens meine kritik auf ihrer fb-seite nicht veröffentlicht und auf der seite der akademie selbst erfolgte null reaktion.