meinen wohl schillerndsten auftritt hatte ich 1984, als ich in knallroter englisch-ägyptischer galauniform die fasnet in rottenburg besuchte. Mein unverkleideter chauffeur war ein reutlinger Millionär, hugo wandel, der die absperrung vor der festhalle für seinen rolls royce einfach aufhob, was die beobachtenden polizisten zu meiner verwunderung duldeten. Ich staunte auch nicht schlecht, als mir plötzlich einer der organisatoren eine karte in die hand drückte, ich solle mich doch zur kostümprämierung auf die bühne begeben. Da stand ich denn nun, steif wie ein nussknacker, und gewann trotzdem, per akklamation! Die siegesprämie in form einer flasche sekt spendete ich einer anderen dame, die mich dafür auch nicht ganz leer ausgehen ließ. Für manche war all das offenbar zu viel des guten, jedenfalls flogen mir beim gehen bierdosen hinterher. Als ich wochen später mit meinen facebook-freund Uwe Thomas Ruckgaber über den tübinger marktplatz ging, stieg ein mann vom fahrrad und fragte: “darf ich Sie mal was fragen?“ ja. „Stimmt es, dass Sie von geburt adlig und sehr reich sind?“ Laut lachend musste ich beides verneinen. Einer jungen frau machte ich damals schöne augen, doch sie zog meinen „stallknecht“ vor, den sie später heiratete. Er war ritterlich genug, mich zum polterabend einzuladen, wo ich auch hinging. Inzwischen sind sie geschieden, was mir eine gewisse genugtuung bereitet. Am gestrigen hl. Abend traf ich ihn wieder. Im gespräch fiel der name meines kunden uffhausen, aus dessen nachlass ich vor wenigen monaten einiges erwarb. Nun erfuhr ich, dass seine exfrau 1 buch von uffhausen gesetzt hat, ausgerechnet über hölderlin, mit dem ich 1985 mein verlagsprogramm eröffnete. Jetzt holte ich mir das buch aus meinem hölderlin-regal: es ist das exemplar von reinhard breymayer, einer der wichtigsten personen meines lebens, der wie uffhausen dieses jahr verstarb. Im impressum steht tatsächlich der name der schönen, die mir damals den korb gab. Ich werde es nun mit hecksquisitem genuss lesen. 1 jahr später, 1985, lernte ich an derselben stelle in rottenburg meine frau Cornelie kennen. Die dame, der ich den sekt spendiert hatte, ist inzwischen mit dem sohn eines mitarbeiters meines schwiegervaters verheiratet.