(ermordet?). die tat veränderte die gesellschaft. Ich war damals 10 und von alledem noch unberührt, bekam aber später mehrfach mit einigen hauptbeteiligten der tragödie zu tun: 1. Der deutsche staat, genauer heinrich lübke, schenkte dem schah zu seiner krönung das modell eines rekonstruierten persischen tempels. Verantwortlich dafür war prof dr heinz luschey aus TÜ, dessen bibliothek ich hier anbiete. 2. 1967 war Kurt Georg Kiesinger Regierungschef der "Großen Koalition" und deutscher Bundeskanzler. Seine Einladung an den Schah von Persien zum Staatsbesuch in Deutschland löste in Berlin Unruhen aus, die am 2. Juni 1967 zum Tod des Benno Ohnesorg führten und infolgedessen zu einer ausufernden Studentenrevolte, zu der bis heute nachwirkenden 68er-Revolution. 3. Als der wenig später herausgegebene prächtige Fotoband des Burda-Verlags: "Krönung in Teheran - Persiens Kaiserpaar" verramscht wurde, erwarb ich (elfjährig) ein Exemplar davon in der Buchhandlung Aigner in Ludwigsburg, für 5 DM. Ich erinnere mich so genau an den Vorgang, weil ich von den Fotos der Kronjuwelen des Herrscherpaars auf dem Pfauenthron in Teheran fasziniert war. Hier übten Macht und Schönheit eine Wirkung auf mich aus, die wohl jede klassische Burda-Leserin nachvollziehen kann. 4. Als ich 1982 anfing, Kunst- und Antiquitätenversteigerungen in Tübingen durchzuführen, lud ich auch öfter brieflich den Altkanzler dazu ein, der inzwischen hier wohnte und als Schöngeist galt. Doch leider ließ er sich nicht zu einem Besuch bewegen. 5. Im März 1988 musste ich auf dem Fußweg in meinen Laden am Kupferbau in Tübingen halten, als eine Staatskarosse direkt vor mir vorbeifuhr, darin ein Sarg! Als ich mich umdrehte, sah ich den Stadtfriedhof voll von Trauernden. Am Abend zeigte das Fernsehen den Staatsakt für Kurt Georg Kiesinger auf der Königstraße in Stuttgart. Das war die einzige Begegnung zwischen mir und diesem Staatsmann, in einem Abstand von weniger als einem Meter zu seinem Leichnam. Ich war erschüttert. 6. Nachdem ich daran schon lange nicht mehr dachte, betrat im April 1990 - zwischenzeitlich war ich 33 - eine freundliche Dame mein Antiquariat und fragte nach der berühmten pietistischen Darstellung "Vom breiten und vom schmalen Weg". Ich beschaffte die Grafik, die Kundin war hoch zufrieden. Sie wollte nun wissen, ob ich auch Bilder bewerten könne, was ich bejahte. Kurz darauf brachte sie ein Gemälde mit, auf dem prunkvollen Rahmen eine goldene Krone. Ich fragte die Dame, was das bedeute. Sie erklärte, dies sei die Tiara des Papstes. Ich wollte nun wissen, wie sie an das Bild gekommen sei. Sie antwortete: "Das hat ER meiner Mutter geschenkt." Ich: "Wie heißt denn Ihre Mutter?" Sie: "Kiesinger". Schluck! Jetzt nur nicht nervös werden: Die freundliche Person war die Tochter des Exbundeskanzlers. Ich nahm den Schätzauftrag an und fand heraus, dass das Bild - typisch Vatikan? - eine Kopie war: Christus Pantokrator nach van Eyck. Nun wollte die Tochter Kiesingers mir das Bild aus dem Besitz von Papst Paul VI. verkaufen. Sie habe aber noch viel mehr, und ich solle mal in die Engelfriedshalde kommen. So saß ich noch am selben Abend der ehemaligen First Lady gegenüber, Marie-Luise Kiesinger, in dem Sessel, in den so mancher Politiker staatstragend sein Gesäß platziert hatte. Vor Aufregung hatte ich zwischenzeitlich Kopfweh. Die Verkaufsverhandlungen waren dennoch erfolgreich, so dass ich anschließend kubikmeterweise neben viel Wertlosem auch Kostbares aus dem Nachlass des Kanzlers erwarb, darunter die Staatsgeschenke des Kaisers Hirohito von Japan und von Charles de Gaulle. Ferner konnte ich aus Kiesingers Bibliothek sein eigenes Exemplar mit der Nummer 1 einer von ihm selbst veranlassten prachtvollen Buchausgabe zum Staatsbesuch von Königin Elizabeth II erwerben. Zuletzt waren noch die Geschenke des Schahs und seines - später vom Chomeini-Regime hingerichteten - Außenministers Hoveyda, mit deren Besuch anno 1967 ich nun plötzlich auf ganz eigentümliche Weise verwoben war. Der größte Medienrummel meines Lebens Diskretion über das normale Maß hinaus war mit der Familie Kiesinger nicht vereinbart, so dass ich mich nicht verpflichtet sah, die (wertsteigernden) Besitzvermerke auf einzelnen Objekten zu entfernen, wie z.B. auf einem Steuerrad, das die Bundes-CDU "ihrem geschätzten Vorsitzenden" gewidmet hatte. Dies führte dazu, dass der Journalist Philipp Mausshardt mit seinem Artikel im Schwäbischen Tagblatt: "Aus Kiesingers Keller" einen gewaltigen Medienrummel lostrat. Der Erfolg war u.a., dass ein Käufer unbesehen den Wandschirm des Kaisers Hirohito kaufte, ein Kaufverhalten, das ich höchst selten erlebt habe. 7. Etwa ein halbes Jahr später starb auch die ehemalige First Lady, und die faszinierendste Geschichte meiner Laufbahn fand ihr Ende durch meinen Besuch am Grab der beiden Kiesingers. 8. In der biografie ohnesorgs aus der feder seines freundes uwe timm las ich, dass er sich nur an zwei politische debatten mit dem eigentlich unpolitischen benno erinnere, davon die eine über die als empörend empfundene ernennung von wolfgang fränkel zum generalbundesanwalt trotz dessen ns-vergangenheit. Er wurde 1962 entlassen, u.a. weil er im 3. reich einen mann hinrichten ließ wg „rassenschande“, obwohl der sex zwischen den beteiligten einvernehmlich gewesen war. Das von der ddr gegen ihn verfasste buch musste ich weglegen, weil es zu deprimierend war. Ich habe außer der von fränkel noch nie eine bibliothek gehabt, die so gelesen war. Wer es nicht glaubt, kann viele der von ihm signierten bücher hier sehen und erwerben. link