Gestern bekam ich sachen einer über 100-jährigen kundin von mir, deren brüder im 2. weltkrieg starben, was sie zeitlebens sehr bewegte. Auch mich berührt es, wenn ich nun eine handschrift des knaben betrachte, wo er von frohsinn und zurückgelassenen sorgen redet beim hinauswandern in die welt. Sie verschwieg aber in ihrem schmerz, dass ihre mutter in ein buch geschrieben hatte: „Die Welt hat ihren Frieden nicht das Volk bleibt ewig arm Eh nicht der letzte Jude hängt Am letzten Pfaffendarm“. Aus einem ihrer bücher kam mir ferner ein theaterzettel von 1946 entgegen. Der regisseur des dramas, dr. günther stark, war im 3. reich mit lotte hardt pro forma verheiratet, um seiner verfolgung als homosexueller zu entgehen. (Hardt stand in tübingen um 1948 mit horst tappert auf der bühne.) ich hatte ihre scheidungsakten um 1930 aus dem nachlass ihres 1. mannes XY (nicht der regisseur!) mit vorwürfen der impotenz und homosexualität. Sie wurde schuldig geschieden, weil sie die vorwürfe auch ihrer freundin mitgeteilt hatte und damit – so das gericht – die ehre des mannes geschändet habe. XY bekam dann in 2. ehe doch noch 4 kinder, die mir die scheidungsakten dann abkauften. Vor wenigen jahren kam die tochter von lotte hardts haushälterin, um mir deren sachen zu bringen. Darunter war ein bild, das ich nicht identifizieren konnte, was aber der exkollegin meiner frau bei ebay gelang, deren vater es gemalt hatte. Zurück zu meinem theaterzettel: der bühnenbildner ist ein neffe von oskar schlemmer, aus dessen familie ich die totenmaske schlemmers u.v.a. erwarb. gerade war der zuständige stadtarchivar hier und erwarb aus dem nachlass der gefallenen brüder, um deren andenken die frau so gekämpft hat, kein stück.