Als zwischen ihm und mir ein Kunde vorbeiging, steckte er blitzschnell einen Orden in die Tasche. Da ich damit im Voraus gerechnet hatte, sah ich immerhin noch, wie er seine Hand aus der Tasche zog. Ich stellte mich hinter ihn und zog ihm meinerseits mein Eigentum unbemerkt wieder heraus. Mein hier sichtbar werdendes Talent hätte genauso zu einem guten Detektiv getaugt wie zum gefürchteten Kriminellen. Manches Mal habe ich schon überlegt, ob ich die Seite wechsle. Denn schon früher beim Räuber und Gendarm-Spiel war es eigentlich aufregender gewesen, der Räuber zu sein. Die Psychologen wissen ja schon lange, dass beiden Lebenswegen dieselbe Energie zu Grunde liegen kann. Mir fällt das oft auf, wenn ich mit Polizisten zu tun bekomme. Mein Instinkt beim Anblick polizeilicher Physiognomien warnt mich oft zu unrecht: "Achtung, der führt nichts Gutes im Schilde". Einmal war es besonders schlimm: Da hatte ich eine Versteigerung annonciert mit "Schmuck von sechsstelligem Wert", der zu jedem Preis abgegeben werden sollte. Ein möglicher Räuber hätte sich also für den Abschluss der Auktion fette Beute ausrechnen können. Ich erbat daher Polizeischutz. Als nach der Versteigerung zwei schnauzbärtige Herren mir ihr Geleit durch die Nacht anboten, hatte ich Schiss wie noch nie zuvor. Die 500 Meter zu meinem Auto waren die längsten in meinem Leben, jede Sekunde erwartete ich das Ende der Maskerade - aber es waren wirklich Freunde und Helfer gewesen, denen ich heute noch dankbar sein muss.