Ein junger Mann betrat mit seiner Freundin den Laden und entdeckte eine schöne Wanduhr. Als er nach dem Preis gefragt und ich geantwortet hatte: "Eintausend DM", erschreckte er: "Was, so viel?" Daraufhin sagte eine ebenfalls im Laden anwesene Dame, die den jungen Mann nie vorher gesehen hatte, zu ihm: "Ich schenke sie Ihnen!" Er sah mich ungläubig an, da ich aber die Kundin gut kannte und durchaus von ihrer Ernsthaftigkeit überzeugt war, ermutigte ich ihn, auf das Angebot einzugehen. Er nahm seine Uhr unter den Arm, bedankte sich herzlich und kam nie wieder zurück, aus lauter Angst, ich würde die Uhr vielleicht wieder herausverlangen. Einem weiteren Kunde, dessen Namen ich benennen könnte, schenkte sie bei anderer Gelegenheit einen Bierkrug für 400 DM. Allein die Darstellung aller Erfahrungen mit dieser Frau würde einen Roman füllen. Da ihre Familie aber in Tübingen lebt, möchte ich aus Rücksicht darauf verzichten. Nur soviel kann ich hier sagen, dass ihre maßlosen Einkäufe - aus kaufmännischer Sicht für mich durchaus beglückend - sich immer mehr mit unberechenbarem Verhalten verbanden, zum Beispiel zuletzt nächtlichem Telefonterror, Denunziation bei meinen Kunden, ja sogar beim Finanzamt, so dass meine Frau und ich nervlich schließlich so am Ende waren, dass wir die Geschäftsbeziehung abbrachen. Jahre später erfuhren wir, dass sich die Mutter dreier Kinder das Leben genommen hatte.