Die Nesthäkchen-kinderbücher sind für die vorkriegsgeneration etwa das, was hanni und nanni für die danach sind. Natürlich hab ich u.a. die folge „nesthäkchen fliegt aus dem nest“, die in tübingen spielt. Kaum bekannt ist, dass die autorin Else Ury, 1877 in Berlin geboren, 1943 im KZ Auschwitz umgebracht wurde. Ihre biografie „nesthäkchen kommt ins kz“ gehört zu den traurigsten buchtiteln meines bestandes. Die diskrepanz zwischen großbürgerlich heiler welt und mörderischer realität ist kaum auszuhalten und erinnert mich an die jüdin alice haarburger, deren nachlass ich mehrfach hatte: sie malte vor allem stillleben, bes. mit kinderspielzeug, und wurde im kz riga ermordet. Da denke ich an dürrenmatts erschütternden satz: „die welt ist ein gespentisches idyll“.