Thomas Leon Heck

Tod eines herausgebers

 
Vor genau 30 jahren frischte ich gerade meine bräune auf, als das telefon klingelte und die FAZ meinen verlegerischen erstling besprechen wollte, ein hölderlin zugeschriebenes gedicht. Da das buch noch nicht mal erschienen war, vereinbarte ich natürlich dabei mit dem redakteur, dass er den text des gedichtes nicht publizieren durfte, den ich ihm anschließend zusandte. Nun sah ich bereits meine zukunft ebenso strahlend vor wie die sonne über mir. Doch leider hielt der journalist nicht wort und druckte nicht nur den gesamten gedichttext ab, sondern erklärte ihn gleichzeitig für unecht, mit der konsequenz, dass ich mir meinen kurz darauf aufgebauten (ersten und letzten) stand auf der frankfurter buchmesse hätte sparen können, denn wer von der unechtheit überzeugt war, kaufte eh nicht, und wer zweifelte, hatte ja nun schon den text des gedichts kostenlos aus der zeitung, wenn auch nicht unsere argumente für die zuschreibung. So legte ein infamer kulturredakteur bei einer der größten zeitungen der welt schon die axt an meinen verlagsbaum, bevor der richtig wachsen konnte.

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