Neulich entdeckte ich ein porträt bei einem lieben kollegen. 1. bei ihm stand es schon 7 jahre herum, ich verkaufte es innerhalb von 30 minuten. 2. An seiner these, wen es darstellte, zweifelte ich von anfang an. Ich meinte, darin ein kundin von mir zu erkennen, die ich etwa 70 jahre nach dem entstehungsdatum des bildes kennengelernt hatte. 3. Als ich dem kollegen freudig von meinem verkaufserfolg berichtete, erwartete ich anerkennung. Stattdessen hörte ich vorwürfe, er habe mir keinen verkaufsauftrag erteilt, sondern nur um die identifizierung der porträtierten gebeten. 4. Als ich dann noch auf sein drängen mitteilte, wem ich es verkauft hatte, und er sagte, dem verkauf hätte er dann erst recht nicht zugestimmt, bekamen wir krach. Ich schrie dabei so laut ins telefon, dass mein hund erstmals verängstigt das büro verließ. (zum glück versöhnten wir alle uns wieder.) 5. am bemerkenswertesten finde ich aber, dass die porträtierte einen solchen gegensatz zu ihrer schwester darstellte, wie ich ihn noch nie erlebt habe, von äußerlichkeiten wie haarfarbe, gewicht und attraktivität ganz abgesehen: Beide aus derselben familie, hat die eine einen fabrikanten geheiratet. Wenn sie mit ihrem chauffeur kam, stand sie kerzengerade, herrinnenhaft und kühl vor mir, ganz frau direktor. Ihre schwester hingegen hatte keinen reichen mann geheiratet und ihren sohn durch suizid verloren. Sie lächelte unterwürfig, mit weinerlicher stimme, gebeugt von ihrem schicksal. Ich erzähle dies erst jetzt, weil ein ehemaliger prokurist der inzwischen gestorbenen fabrikantengattin jüngst bei mir war und meine eindrücke bestätigte. Was ich nicht wusste: dass die unglückliche auf ihre schwester neidisch gewesen sei..