umgearbeiteter schottenwitz: Kommt boris palmer in die stadtbibliothek und sagt: "Wenn Sie weiterhin Zeitungen hier auslegen, die mich kritisieren, dann ist es die längste Zeit gewesen, daß ich bei Ihnen ausleihe". Noch ist es nicht so weit, denn unser OB geht gern dorthin. Wohl auch, weil’s nix koschtet. Man stelle sich vor, ein OB (palmer) hält eine rede auf einen ehrenbürger seiner stadt (walter jens). Neben dem rednerpult vielleicht ein glas laaberwasser. Der OB zitiert aus dem buch des verstorbenen  ehrenbürgers, das dieser über den ihnen beiden gemeinsamen wohnort verfasst hat, eine „liebeserklärung“ an diese „große kleine stadt“. So weit, so gut. Doch der OB besitzt das buch, aus dem er so leutselig zitiert, offenbar weder privat noch in seiner rathausbibliothek, was beides verwunderlich ist, denn es handelt sich um eines der beliebtesten bücher über diese stadt. So leiht er es sich aus der stadtbibliothek. Auf die idee, es zu kaufen, kommt er offenbar nicht, und das in einer stadt der bücher mit mindestens 7 antiquariaten. (im buchhandel ist das buch vergriffen). Dies empört nun einen ehemaligen tübinger antiquar (mich, der das buch für 9€ dahatte).  Wenige tage vor dieser rede hat der OB die schließung eines brillenladens seiner stadt mit „so schade“ kommentiert und pathetisch über die altstadt erklärt: "Hier kaufen ist auch ein Kulturbeitrag". Schon diese krododilstränen bei facebook wollte ich kritisieren, unterließ es aber als möglicherweise unsachlich. Doch nach dem TAGBLATT-Bericht vom 25.1.2014 betr. Walter Jens-Gedenkfeier habe ich OB palmer folgenden text auf seine fb-seite gepostet: "Ich lese: „OB Boris Palmer wiederum hatte sich in der Stadtbücherei das letzte dort vorhandene Exemplar der Jens’schen Liebeserklärung (‚Die große kleine Stadt’) reservieren lassen, aus der er zitierte.“ Selbst nach meinem Wegzug von Tübingen gibt es dort mindestens 5 Antiquariate, bei denen man das Buch höchstwahrscheinlich hätte kaufen können. Bei mir sicher für nur 9 €. Stattdessen leiht der OB es sich lieber aus, kostenlos. Schließlich muss er mit seinem geringen Einkommen haushalten. Für die nächste Sonntagsrede kann man es ja wieder ausleihen und einem echt Bedürftigen wegschnappen. Vielleicht sagt sich da schon einer: „Wozu 9 € in ein TÜ-Buch investieren, wenn meine Wiederwahl nicht sicher ist?“ Jedenfalls sauer: Antiquar Thomas Leon Heck Hallstattstr. 17/1 Dusslingen" nachdem DORT auf MIR herumgehackt wurde (ich würde werbung betreiben wollen - ein einfaches argument gegenüber einem handeltreibenden), postete ich es auch auf meinen seiten, um zu sehen, wer hier falsch liegt. Inzwischen räume ich ein, dass es ein fehler war, mit palmers seite zu beginnen, denn seine ca 5000 freunde sehen dort natürlich nicht gern kritik an ihm. Die z.t. völlig unsachlichen äußerungen gegen mich (bzw gegen palmer auf meiner seite) bewegen mich zu folgender klarstellung: niemand MUSS etwas kaufen, schon gar nicht bei mir. jede/r darf sich bücher ausleihen geiz ist geil kritik daran auch. Man hat mir vorgeschlagen, dem OB das buch zu schenken mit einer humorvollen kritik, was ich zuerst für einen konstruktiven vorschlag hielt, den ich aber schon am nächsten tag ablehnte mit hinweis auf das system wulff: gefälligkeiten aller art hemmungslos annehmen. Wie es derzeit aussieht, ist wulffs verhalten weder zivil- noch strafrechtlich zu beanstanden, trotzdem ist noch kein politiker in meinen augen in so kurzer zeit so tief gesunken. Gerade weil ich ihn anfangs für präsidiabel hielt, ist meine enttäuschung zur verbitterung geraten. An mein staatsoberhaupt stelle ich doch höhere anforderungen, als sie wulff offenbar erfüllen kann. Auch von meinem stadtoberhaupt erwarte ich mehr als solchen geiz, der mich im laden fast täglich ankotzt. Man hat mich gefragt, weshalb ich mich wegen 9 € so aufrege. Da kommt natürlich sehr viel zusammen, u.a. psychologisches: ich will mein unverständnis über so viel leidenschaftslosigkeit ausdrücken, mit dem ein gut bezahlter lobhudler schöne reden schwingt, während ihm ein hauptwerk des gelobten offenbar nicht mal ein paar € wert ist. politisches: ein kollege, der entrümpelt, arbeitet sich zu tode, weil er die preise von gemeinnützigen vereinen, die mit seinen steuern subventioniert werden, kaum unterbieten kann. dasselbe gilt für einen fahrradhändler in TÜ, der jetzt mit behindertenwerkstätten konkurrieren muss. Wir antiquare müssen gegen öffentliche, von unseren steuern subventionierte bibliotheken bestehen, weil viele von deren nutzern sich lieber ein buch dort kostenlos ausleihen, als es für einen kleinen betrag bei uns zu kaufen. Ein reclamheftchen kostet bei mir 50 cent. Dasselbe in einer stadtbibliothek auszuleihen, kostet den steuerzahler ich schätze mal 5 €. argumentatives: mich ärgert inzw. nicht nur die knausrigkeit des OBs, sondern auch die polemik gegen mich (wer mich kennt, weiß, dass meine empörung echt ist. natürlich spielt die selbstdarstellung immer eine rolle bei jeder meiner veröffentlichungen, denn wenn ich mich schämen müsste, könnte mich ja nichts und niemand dazu veranlassen. aber meine reaktion ist weder in1. noch in 2 . oder 3. linie eigenwerbung, zumal ich ausdrücklich auf die tübinger kollegen verweise. moralisches: palmer schreibt: "Ehrlich gesagt, wenn ich ganz einfach in der eigene Stadtbibliothek mit einem Anruf ein Buch ohne kosten für die Stadt besorgen kann, warum soll ich jemand beauftragen, das Buch antiquarisch zu suchen ? Der Aufwand ist ein Vielfaches von 9 Euro." wenn ein politiker "ehrlich gesagt" sagt, ist schon mal vorsicht geboten. was heißt "ohne kosten"? hat der bau der stadtbibliothek nix gekostet? schaffen die leute dort umsonst? wenn ich die zahl der ausleihen zu den kosten ins verhältnis setze, bin ich u.U. gleich bei 9€. und wieso ist bei ein paar anrufen in antiquariaten "der Aufwand ein Vielfaches von 9 Euro"? die stadt hat wohl telefon-flatrate, so dass für die paar anrufe nur lohnkosten von wenigen minuten anfallen. hätte palmer sich mit gedankenlosigkeit entschuldigt, wäre das noch akzeptabel, aber solche mathematischen hütchenspiele sind sehr fragwürdig. im moment bin ich jedenfalls auch nicht bereit, für seine wiederwahl im herbst zeitaufwand zu betreiben. ich zitiere abschließend aus palmers salbungsvollen grußwort fürs letzte tübinger bücherfestival mit vielen antiquariaten 2013, in dem er wortreich von schmerzhaften grenzen spricht „in unserem kopf“ (!), die er nun in puncto antiquariatsbesuch hoffentlich niederreißen kann, von der „legendären vielfalt“ des festes (die sich auch ihm endlich erschließen möge), außerdem lobt er da die wiedererweckung des „vergessenen“ und erfahrung des neuen. Schöner könnte ich es auch nicht sagen, nur dass ich es täglich mit leidenschaft (er)lebe. historischer rückblick: als kaiser wilhelm II 1908 einer englischen zeitung ein interview gab, um sein wohlwollen für diese nation zu beweisen, erreichte der glücklose damit dort das gegenteil und verschärfte den argwohn, der im 1. weltkrieg mündete. ich habe das interview gelesen und sehe nicht einmal die gründe der verbitterung auf der gegenseite. genauso dürfte es philipp jenninger mit seiner eigenen unseligen rede gegangen sein, die zu seinem rücktritt als bundestagspräsident führte. man hat ihm wohl nicht absicht unterstellt, aber katastrophale ungeschicktheit. auf diplomatischem parkett gefährlich. ich könnte mir denken, dass auch inge jens (die wg krankheit nicht da war) eine peinliche empfindung gehabt hätte, wenn der festredner durchblicken lässt, dass er sich das buch des verstorbenen nur ausgeliehen hat. anlässlich einer rede zum 500. jahrestag des tübinger vertrags hat palmer wenige wochen später schon wieder offiziell aus diesem buch zitiert. ich wüsste zu gern, ob erneut aus einem geliehenen exemplar! immerhin versteht frau dr. inge jens, die witwe von walter jens, meine perspektive.