Wie pervers, strukturell gesprochen, antiquare ticken, zeigt der begriff makulatur. Was überall als inbegriff des veralteten, hinfälligen, überholten gilt, birgt für unsereinen manches geheimnis. So habe ich soeben ein buch mehrfach erworben, das es allein schon in sich hat: carl herrmann, die hüllen fallen, von erich maria Remarque zum spion im großen hauptquartier, tübingen 1933, 272 seiten. eines der wenigen meiner 300 000 bücher, die ich gelesen habe: mit abenteuerlich durch anagramme begründeten verschwörungstheorien (weil im friedensvertrag von VersaILles 1918 die buvhstaben LEVI stecken, wittert der autor dahinter das weltjudentum. Ferner: E.M. Remarque wird mit mynona = salomon Friedländer identifiziert), stark antisemitisch -1933! -, aber auch gegen Jesuiten und Freimaurer (zur schlacht an der marne: der spion richard hentsch sei gleichzeitig im dt. oberkommando tätig gewesen und von den französ. freimaurern mit deren höchstem orden geehrt worden. das wäre allerdings ein bemerkenswertes faktum.) Das buch ist aber nun eingewickelt gewesen in sogenannte makulatur, das sind bedruckte papierbögen, die beim drucker als abfall entstehen. In meinem fall bestand die makulatur nun aus einem prospekt der tübinger textilfabrik egeria, vor 1933/4, den weder das stadtarchiv tübingen kennen noch mein bester (TÜ-) lustnau-sammler. Somit ist die verpackung preislich so viel wert wie der inhalt.