ich machte mal eine führung durch die tübinger hafengasse, weil dort faszinierenderweise in beinahe jedem haus irgendeine geistesgröße wohnte, also in einer dichte, wie man das wohl nur in tübingen findet. In dem haus, wo 25 jahre mein laden war, lebte vielleicht johannes eck, der gegenspieler luthers (dies ist aber reine spekulation), jedoch sicher wieland, den der mächtigste mann der damaligen welt, napoleon, zu sehen begehrte. wielands einfluss auf die deutsche sprache kommt dem luthers gleich. Gegenüber wohnte schillers laura, auf die er so manches gedicht verfasst hat. Ihr nachlass wurde versteigert, worüber am tage meiner ladenschließung ein von mir verfasster artikel im tagblatt kam. Als ich in der redaktionellen einleitung las, dies sei mein „abschiedsgeschenk“, war ich wider erwarten zu tränen gerührt über so viel güte von mir. Neben ihrem haus, unter der heutigen galerie grieshaber, ist ein alter klosterfriedhof. Daneben wohnte der lieblingskomponist von kaiser wilhem I, der dichter des weserlieds, gustav pressel. Im presselschen gartenhaus wiederum trafen mörike und waiblinger sich mit hölderlin, wozu hesse eine novelle verfasst hat. Zuletzt ist auf der nordseite (heute spielwaren dauth) ludwig uhland zu erwähnen, zu dessen beerdigung sonderzüge fuhren, so beliebt war er. Zurück auf meine seite: neben meinem alten laden: da wo heute der hades ist, lebte der dichter otto erich hartleben, der um 1900 kult war, was heute schwer verständlich ist. Als ich vor der alten mensa stand, verabschiedete ich mich von der kleinen gruppe interessierter, bis man mich auf die tafel zum gedächtnis an alois alzheimer aufmerksam machte, den ich zum allgemeinen gelächter sonst – glatt vergessen hätte. Dies anlässlich des welt-alzheimer-tags am 21.9.