fand ich gerade in einem buch: seinen wunschzettel um 1944 mit reizenden zeichnungen, orthographisch mangelhaft
gerade verkaufte ich das porträt eines reutlinger fabrikanten, von einem bedeutenden wiener maler, nach italien. Ein verwandter des dargestellten war mal bei mir im laden. Bei dieser gelegenheit äußerte ich mein unverständnis darüber, dass seine cousine das exzellente porträt ihres vaters nicht erworben hatte, das ich ebenfalls bis kurz vorher besessen hatte. sie war noch nicht mal auf der welt, als er starb, und leitet heute ein museum. Da hätte ich mir doch mehr sinn für diese einmalige gelegenheit erwartet. Während ich noch schimpfte, wies mich der kunde darauf hin, dass die von ihm mitgebrachte frau im hintergrund meines ladens diese cousine sei, mit der ich bislang nur telefoniert hatte. Hätte er sie mir vorgestellt, wie es sich eigentlich gehört, wäre es nicht zu dieser peinlichkeit gekommen.
gestern vor 175 jahren kam der sozialreformer gustav werner nach reutlingen. in seinen dort gegründeten und noch heute existierenden bruderhaus-werkstätten trafen sich gottlieb daimler und wilhelm maybach, die autopioniere, der 1. als lehrer, der 2. als zögling. da ich 20 jahre in RT und TÜ läden hatte, habe ich mir viele gedanken über die unterschiede zwischen beiden städten gemacht, die nur 13 km auseinanderliegen. während der PIETISMUS in RT werners praxis und tat hervorbrachte, gipfelte diese fromme bewegung in TÜ in dem hochspekulativen f.c. oetinger, dessen idee vom 1000-jährigen reich gleichwohl epochal auf marx gewirkt hat.
gestern bringt ein mann 2 kunstwerke: 1 von wolfgang weiler, über den es außer dem von mir verfassten reutlinger künstler-lexikon wohl wenig gedruckte literatur gibt, und 1 von friedel peisert, deren nachlass bei mir ist. aber obwohl ich ca 600 werke von ihr hierhabe, kaufe ich auch dieses dem mann noch ab, weil es so gut ist. dieses werk von peisert ist ein geschenk seines schwiegervaters, das er loswerden wollte, weil der schwiegervater zwar 2 töchter hat, aber nur der einen 1 grundstück geschenkt hat, der anderen nicht. sie war die frau des peisert-besitzers. selbst als sie an krebs starb, wollte sie sich wg dieser benachteiligung nicht mit ihren eltern versöhnen, die auch nicht von ihrer beerdigung benachrichtigt wurden.
am 3.2. bot mir jemand diesen spannenden ring an (byzantinisch??), wollte aber keinen preis sagen. Ich auch nicht. „dann hat sich das erledigt“, sagte die anruferin stolz. Ich zu meinem praktikanten Johannes Hägele: „Wetten, dass die wieder anruft? Und 2000€ will.“ Heute rief sie an - und wollte 2000€.
mit jeweils klar definierbaren berufsbildern, ist für andere nicht sehr spannend (für mich schon). Interessant wird es, warum und wann bzw. wie ich auf die frage, was ich beruflich mache, unterschiedlich antworte: Als verleger bezeichne ich mich, wenn ich das intellektuelle betonen will, als versteigerer, wenn das dynami(ti)sche im vordergrund stehen soll. Als antiquar gebe ich den kontemplativen, als kunsthändler den ästheten. Manchmal gebe ich sogar zu, dass ich antiquitätenhändler bin. Dann ist aber vermutlich meine frau abwesend. Die antwort hängt entscheidend von meinem gegenüber ab.
edvard munchs SCHREI war einige zeit an der spitze. der mann unserer direkten nachbarin hat noch mit munch korrespondiert. ein neffe von adele bloch-bauer auf dem gemälde von klimt hat wenige hundert meter von meinem früheren laden in Reutlingen gewohnt. Liste der teuersten Gemälde – Wikipedia Diese Liste der teuersten Gemälde enthält die höchsten Preise, zu denen Werke der Malerei verkauft wurden. Sie weist derzeit mehr als 40 Gemälde aus, über die ein Kaufvertrag für mehr als... de.wikipedia.org
ist ein buch von thomas cahill, das ich gerade gelesen habe. Seine these, dass zwischen dem untergang westroms im 5. jhdt. n. chr. und karl dem großen um 800 es allein die irischen klöster waren, die die klassische lateinische und griechische literatur und damit das geistige fundament europas durch abschreiben ihrer bücher retteten, ist natürlich beeindruckend, besonders für einen bücher liebenden antiquar und in zeiten, wo das buch von vielen als altpapier betrachtet wird. Leider habe ich noch nie ein buch gelesen, das so von fehlern strotzt, und zwar auch sachlichen. Der größte hammer ist die übersetzung von vergils eingangsvers ARMA VIRUMQUE CANO mit „waffen und den heldenmutigen mann beSIEGE ich“statt „besinge ich“. Inwiefern daran jacqueline kennedy onassis mitschuldig ist, die das manuskript lektoriert haben soll, weiß ich nicht.
ich heute zu meinem neuen praktikanten: "mein beruflicher alltag ist hart. aber langweilig ist mir nie. und wenn doch, mach ich ein fass auf." gesagt, getan: wir blättern in dem von mir verfassten weltkunst-abbildungs-index und finden eine diebstahlsanzeige von 1989. ein mit dem vermissten objekt möglicherweise identisches stück finden wir bei ebay. ein anruf bei dem damals geschädigten museum ergibt, dass das gestohlene kunstwerk noch nicht zurückgekehrt ist. jetzt wär es doch ein knüller, wenn ein zufällig aufgemachtes fass gleich wieder eine leiche enthielte.