Thomas Leon Heck
Willkommen auf thomasleonheck.de, der Seite des Dußlinger Auktionators, Verlegers, Antiquars und Kunstexperten Thomas Leon Heck.
2015 Mai
Mediziner stehen an erster Stelle der Volksachtung. In meinem Laden interessierte sich ein Mediziner für Graphik moderner Klassiker. Er sah sich einen signierten Liebermann an und bat um Bedenkzeit. Wenige Tage später erschien er wieder, nahm aber vom Kauf des Liebermann-Blattes Abstand. Ich spürte sein ernsthaftes Interesse, so dass mir nichts auffiel, als er anschließend intensiv meinen Graphikständer durchblätterte. In einem der zahlreichen Überwachungsspiegel meines Ladens sah ich, wie er einmal eine Graphik von Beckmann in der Hand hielt, ein anderes Mal eine Originalradierung von Goya. Nachdem er gegangen war, passierte ein unglaublicher Zufall: Kaum drei Minuten später fragte ein junger Mann nach eben jener Beckmann-Graphik, die der Mediziner gerade noch in den Händen gehabt hatte. Ich begann, das Blatt zu suchen. Als ich es nicht gleich fand, sagte ich noch halb scherzend zu dem neueingetretenen Kunden: "Das wird doch der Mann, der da gerade gegangen ist, nicht geklaut haben ...". Doch bei der weiteren Suche fand ich das Blatt tatsächlich nicht, dafür aber zwei leere Passepartouts, die den Goya sowie einen Kandinsky im Wert von 1500 DM enthalten hatten. Da ich während der Anwesenheit des Verdächtigen auch das Goya-Blatt in seiner Hand durch den Spiegel, wie gesagt, noch gesehen hatte, war der Zusammenhang eindeutig. Ich alarmierte sofort die Polizei. Aber außer der umständlichen Aufnahme eines Protokolls geschah an diesem Abend nichts mehr von dieser offiziellen Seite. Ich war mir aber fast sicher, dass es sich bei dem Täter um einen Kunden handelte, der vor fünf Jahren auf einer meiner Versteigerungen wie folgt negativ aufgefallen war: Bei der Auflösung einer Arztpraxis ersteigerte er den kompletten Inhalt mehrerer Schränke für 45 DM. Anstatt aber alles Erworbene mitzunehmen, wie es sich gehört, suchte er sich nur die besten Sachen heraus und ließ mir zentnerweise Abfall zurück, den ich im Schweiße meines Angesichts in Müllsäcke packen und entsorgen musste. Als ich ihm hierfür die Entrümpelungskosten in bescheidenem Maß in Rechnung stellte, sah er sich nicht etwa veranlasst, diese berechtigte Forderung zu begleichen. Vielmehr schaltete er postwendend seinen Anwalt ein, der mir die Ablehnung meiner Ansprüche erklärte. Das ausgeprägte Rechtsempfinden des Herrn sollte sich allerdings nun, Jahre später, als sehr einseitig erweisen, denn bei der Wahrung der Rechte anderer ist er keinesfalls zimperlich, sondern beweist im Gegenteil eine hohe kriminelle Energie. Ich erkannte ihn also noch nach fünf Jahren, obwohl ich in dieser Zeit etwa 50 000 Gesichter gesehen hatte, und das trotz seines inzwischen gewachsenen Vollbarts. Ich musste lediglich das Protokoll dieser lange zurückliegenden Auktion heraussuchen und fand den Namen des Täters. Ich ermittelte dann, dass er sich an diesem Abend bei seiner - ebenfalls wegen Diebstahls schon verurteilten - Schwiegermutter aufhielt. Ich rief bei der zuständigen Polizei an. Da saß ausgerechnet einer meiner Kunden am Notruftelefon, der meine Aussagen als zuverlässig einschätzte. Dieser kleine taktische vorteilhafte Zufall führte noch am selben Abend zu einer Haussuchung, wobei ich den Goya und den Kandinsky in einem Buch wiederfand, das mir der Täter beim selben Besuch abgekauft hatte, wohl nur deshalb, um die gestohlene Graphik darin verstecken zu können. Der Mediziner selbst saß zu diser Zeit, während der Haussuchung, in einer Pizzeria am Kopfende eines Tisches, wo er vor sechs Bekannten große Reden schwang. Unterbrochen wurde er bald von mir und uniformierten Beamten, die ihn direkt zum Verhör abholten. Seine hochschwangere Frau bekam dabei einen Schreikrampf. (Sein erster Säugling hatte friedlich zu Hause bei der diebischen Oma geschlafen, wo er nicht umhin konnte, von mir bei meiner Suche nach dem Versteck des Diebesguts umgewendet zu werden. Das Kind tat mir leid, nicht wegen meiner Maßnahmen, sondern wegen solcher Eltern.) Wie die Sache ausging? Das Beckmann-Blatt, das ich ursprünglich vermisst hatte, fand sich am nächsten Tag im Graphikständer wieder. Es war nur hinter eine andere Graphik gefallen ... Ein fruchtbarer Irrtum also für mich. Und im August 1992 fand der Strafprozess vor dem Amtsgericht Tübingen statt. Trotz der erdrückenden Beweislast leugnete der Arzt in spe (Heute ist er ausgerechnet Psychiater.) noch vor Gericht: Jemand müsse ihm die Sachen in die Tasche geschmuggelt haben! Meine Aussage war aber so glaubhaft, dass selbst der Anwalt des Angeklagten zugeben musste, dass man eigentlich nicht anders könne, als einen Diebstahl seines Mandanten anzunehmen. Seine Bitte an das Gericht, die standes- bzw. disziplinarrechtlichen Konsequenzen, die dem Täter als angehendem Arzt drohen, zu berücksichtigen, fand kein Gehör. Im Gegenteil, der Richter verdoppelte von sich aus das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß von 30 auf 60 Tagessätze, mit der Begründung, hier handle es sich nicht um einen gewöhnlichen Diebstahl! Dem Verteidiger, einem ganz guten Kunden von mir, war die Sache so peinlich, dass er über zwei Jahre nicht mehr in meinen Laden kam. später aber mein Anwalt wurde. Ich selbst spielte dann noch fieserweise die Akte der Approbationsbehörde zu, denn in Zeiten von Medizinerschwemme sehe ich nicht ein, dass solche raffgierigen Individuen unter dem Mäntelchen des Hippokratischen Eides auf Kranke losgelassen werden. Damit war meinem Gerächtigkeitsgefühl nun endgültig Genüge getan. Das also war - ein fruchtbarer Irrtum für den Täter. Der junge Mann, der die Sache durch seine Frage ins Rollen gebracht hatte, konnte seinen Beckmann nun erwerben. Er war eigentlich nur im Auftrag seiner Schwester gekommen, die sich in das Blatt verliebt hatte. (Sie konnte ihrem Bruder kein Wort glauben, als er ihr diese Geschichte erzählte. Sie meinte, er plane nur eine besonders geschickt eingefädelte Weihnachtsüberraschung!) Hätte er sich drei Minuten früher blicken lassen, wäre der Mediziner noch da gewesen und hätte sich bei einem von mir geäußerten Verdacht ganz schön reinwaschen können (denn er dürfte den verlangten und eben nicht geklauten Beckmann ja recht schnell gefunden haben). Wäre der Beckmann-Kunde aber einen Tag später gekommen, hätte ich mich vielleicht gar nicht mehr an den Mediziner erinnert. So aber kam er innerhalb von 180 Sekunden, die das Leben eines Menschen veränderten. Die Ironie der Geschichte: Die geklaute Goya-Radierung zeigt einen eingekerkerten und angeketteten Strafgefangenen, und darunter steht "Die Strafe ist so grausam wie die Tat". Wie wahr! Ich habe übrigens diese Radierung als Titelbild eines von mir 1995 verlegten Buches über Anarchisten verwendet, in dem es auch wieder über Eigentum, Staat, Strafen und Spielregeln geht. Ich glaube, dass das Paradoxe dieses Erlebnisses gar nicht erfunden sein könnte, denn es müsste unglaubhaft wirken. Übrigens lese und sehe ich selbst keine Krimis, die mir viel zu langweilig sind gemessen an der Wirklichkeit.
2015 Mai
da ich soeben eine biographie des dichters wilhelm waiblinger hereinbekam: das einzige bekannte buch aus seiner bibliothek (identifizierbar an seiner unterschrift) war in meinem besitz und brachte mir sogar einen besuch des dt. literaturarchivs marbach ein.
2015 Mai
auch die lebenslange hoffnung auf den sechser im giotto
2015 Mai
Als mir einmal mehrere Gemälde und Graphiken zum Kauf angeboten wurden, befand sich auf einem der Kunstwerke eine Widmung des Künstlers an eine bekannte Reutlinger Familie, zu der auch mein bester Kunde gehört. Ich fragte ihn bei unserem nächsten Telephonat beiläufig, ob die Sachen aus dem Nachlaß seiner Tante stammten. Er sagte, daß dies unmöglich sei, denn aus dem Nachlaß werde zur Zeit überhaupt noch nichts verkauft. Der Zufall wollte es, daß ich kurz darauf bestellt wurde, um den Nachlaß eben dieser Tante zu schätzen. In der Wohnung der Verstorbenen fiel mir auf, daß die dort hängenden Gemälde von denselben Künstlern stammten wie die, die mir jüngst zum Kauf angeboten worden waren. Ich bestand nun darauf, daß die Erben die Sachen in meinem Laden besichtigten. Dort erfuhr ich dann doch, was ich irgendwie geahnt haben muß: "Dieses Bild hat mein Onkel gemalt, dieses hing über dem Sofa ..." etc. Mein Instinkt war also auf der richtigen Spur gewesen. Denn nun stellte sich heraus, daß die eigene Haushälterin der Verstorbenen zusammen mit ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn, pikanterweise ein promovierter Zahnarzt, den Haushalt, in dem sie seit 15 Jahren beschäftigt war, systematisch geplündert hatte. Ihr Pech war nur, daß einer der Verwandten fast wöchentlich meinen Laden besucht und die Sache so früher oder später herauskommen mußte. Auf Wunsch der Familie, die einen Skandal auf jeden Fall vermeiden wollte, verzichtete ich auch hier auf eine Anzeige, obwohl der Versuch, mir gestohlene Ware anzubieten, als Betrug zu werten ist und daher auch ich das Recht auf Strafverfolgung der Täter gehabt hätte. Die bestohlene Familie selbst reagierte ganz anders: Als ich wieder einmal dort vorbeikam, saßen Täter und Opfer beim Mittagessen so zusammen, als wäre nie etwas gewesen.
2015 Mai
(auch wenn mir manche meine kleinschreibung ankreiden), meine frau ebenso. wie entsetzt war sie, als ich ihr mal auf den einkaufszettel schrieb GRIES statt GRIEß. aber als antiquitätenhändler kenne ich in erster linie die antiken küchengefäße um 1900, wo man noch GRIES schrieb.
2015 Mai
deren tochter in einem kz fast umgekommen wäre. als die dichterin 1950 starb, schickte der süddeutsche rundfunk eine junge redakteurin zur beerdigung. deren komplette bibliothek habe ich.
2015 Mai
Als zwischen ihm und mir ein Kunde vorbeiging, steckte er blitzschnell einen Orden in die Tasche. Da ich damit im Voraus gerechnet hatte, sah ich immerhin noch, wie er seine Hand aus der Tasche zog. Ich stellte mich hinter ihn und zog ihm meinerseits mein Eigentum unbemerkt wieder heraus. Mein hier sichtbar werdendes Talent hätte genauso zu einem guten Detektiv getaugt wie zum gefürchteten Kriminellen. Manches Mal habe ich schon überlegt, ob ich die Seite wechsle. Denn schon früher beim Räuber und Gendarm-Spiel war es eigentlich aufregender gewesen, der Räuber zu sein. Die Psychologen wissen ja schon lange, dass beiden Lebenswegen dieselbe Energie zu Grunde liegen kann. Mir fällt das oft auf, wenn ich mit Polizisten zu tun bekomme. Mein Instinkt beim Anblick polizeilicher Physiognomien warnt mich oft zu unrecht: "Achtung, der führt nichts Gutes im Schilde". Einmal war es besonders schlimm: Da hatte ich eine Versteigerung annonciert mit "Schmuck von sechsstelligem Wert", der zu jedem Preis abgegeben werden sollte. Ein möglicher Räuber hätte sich also für den Abschluss der Auktion fette Beute ausrechnen können. Ich erbat daher Polizeischutz. Als nach der Versteigerung zwei schnauzbärtige Herren mir ihr Geleit durch die Nacht anboten, hatte ich Schiss wie noch nie zuvor. Die 500 Meter zu meinem Auto waren die längsten in meinem Leben, jede Sekunde erwartete ich das Ende der Maskerade - aber es waren wirklich Freunde und Helfer gewesen, denen ich heute noch dankbar sein muss.
2015 Mai
also menschen, die arbeiten müssen zwischen zwei feiertagen. diese vom bacardi-feeling animierte diffamierung von arbeit kotzt mich an, besonders heute, wo ich ALLEIN einen tresor aus dem zweiten stock hinuntergetragen habe. meine frau meint, er wiegt 400 kilo. ich schätze mal 100. nur beim reinhieven ins auto half mir jemand.
2015 Mai
Mein gefährlichster Einsatz bisher begann, als ein junger Mann ein Buch im Wert von 1500 DM zum Kauf anbot. Ich spürte, dass es gestohlen war, obwohl er behauptete, das Buch von seinem Opa bekommen zu haben. Raffiniert stellte ich ihm einen Scheck aus, den ich sofort sperren ließ. Als ich dann seine Großmutter anrief, fing sie zu weinen an und sagte, ihr Enkel sei ein gesuchter Einbrecher. Als dieser sich über die geplatzte Scheckeinlösung bei mir beschwerte, forderte ich ihn auf, mit mir zum Zweck einer Barabhebung in meine Bank zu gehen. Dort nahm ich ihn mit einer Pistole fest und bat die mir bekannte Bankangestellte, die Polizei zu alarmieren. Sie war so verwirrt über die Situation, dass sie am Notruftelefon nur sagte: "Kommen Sie schnell. Hier steht der Herr Heck mit einer Waffe in der Hand". (Genauso erstaunt musste ein weiterer Bankbesucher sein, der zufällig anwesende Professor Gese, der einen ganz anderen Eindruck von mir gewonnen haben mußte, hatte ich doch bei ihm einst als Theologiestudent meine Hebräischprüfung mit Sehr gut abgelegt. Außerdem war er von Anfang an Kunde meines Geschäfts, wo es doch in der Regel zivilisiert hergeht.) Jedenfalls liefen kurz darauf mehrere bewaffnete Polizisten in die Bank ein und überwältigten mich als vermeintlichen Bankräuber. Hätte ich mich dabei in ihre Richtung umgedreht und dabei die Waffe in meiner Hand gegen sie gerichtet, wäre vermutlich auf mich geschossen worden. Dieser Lebensgefahr bin ich mir erst viel später bewußt geworden. Intelligenterweise ließen die Polizisten wenigstens den von mir Festgenommenen nicht laufen, sondern führten uns beide aufs Präsidium, wo wir getrennt vernommem wurden. Nachdem ich meine Sicht der Dinge dargelegt hatte, wurde ich nicht etwa gelobt. Es erfolgte auch kein Hinweis, dass man sich solche engagierten Bürger eigentlich nur wünschen könne, sondern ich mußte mir vorwerfen lassen, daß ich mich in die Angelegenheiten der Polizei "eingemischt" hätte und deshalb für meine Schwierigkeiten selbst verantwortlich sei. Meine Waffe wurde beschlagnahmt, und es erfolgte sogar eine Anzeige wegen Freiheitsberaubung gegen mich. Monatelang bangte ich jedesmal beim Öffnen des Briefkastens. Zum Glück wurde das Verfahren gegen mich jedoch eingestellt. Andernfalls wäre dies schon mein letzter Einsatz für die Interessen anderer gewesen, denn der Gipfel des Undanks folgte erst noch: Nach Monaten versandte ein Antiquariat einen Rundbrief an zahlreiche Antiquariate, in dem das Abhandenkommen des von mir sichergestellten Buches gemeldet wurde. Freudig rief ich dort an um mitzuteilen, dass das Buch in Sicherheit war. Zur Belohnung erhielt ich von dem Bestohlenen erst nach vielen Monaten ein Buch im Wert von 15 DM. Als ich dabei auch um Erstattung meiner Kosten in Höhe von über 30 DM (Schecksperre 10, Telephonate 20) bat, verwies mich der Antiquar direkt an den Dieb. Empört habe ich daraufhin jeden geschäftlichen Kontakt zu dieser Firma abgebrochen.
2015 Mai
Auf einer meiner Kunstversteigerungen in Villingen kam mir nicht nur die Hoffnung abhanden, man könne dort mit einer Kunst- und Antiquitätenauktion erfolgreich sein, sondern auch ein barockes Buch mit alchemistischem Inhalt. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich den Verlust überhaupt bemerkte. Jedenfalls betrat ein Jahr später der Antiquitätenhändler F. meinen Laden im fast 100 km vom Tatort entfernten Tübingen und legte mir mein eigenes Buch zum Ankauf auf die Theke, das er auf einer Antikmesse in Villingen wahrscheinlich von den Dieben direkt erworben hatte. Ich ließ das Buch von der Polizei sicherstellen. Später wurde es mir vom Gericht förmlich zugesprochen, das rare Dokument dieses Gerichtsbeschlusses habe ich noch heute. Da F. sträflicherweise keine Quittung von den vermutlichen Tätern besaß, hatte er den Schaden. Er konnte nur so viel sagen, daß es sich um ein vornehmeres Ehepaar mittleren Alters mit Pudel handelte ...
2015 Mai
Vater und Sohn, boten mir kurz nach Eröffnung meines Tübinger Geschäfts, Schmuck zum Kauf an. Aufgrund gewisser Indizien hatte ich den starken Eindruck, die Sachen könnten gestohlen sein, weshalb ich einem Kauf selbstverständlich nicht näher trat. Statt dessen informierte ich die Polizei, von deren anschließend bewiesener Leistungsfähigkeit ich noch heute beeindruckt bin, denn schon nach 10 Minuten wurden mir die Verdächtigen zur Identifizierung vorgeführt; sie waren auf der Tübinger Neckarbrücke festgenommen worden, nach einem gescheiterten Fluchtversuch. Die anschließende Haussuchung bei ihnen brachte in der Tat noch weiteres Diebesgut zum Vorschein. Leider erwiesen sich in den darauffolgenden Jahren nicht alle polizeilichen Maßnahmen als so effektiv. Manchmal beschleicht mich daher der Gedanke, die Polizei sei in meiner ersten Aktion sei nur deswegen so erfolgreich gewesen, weil es gegen Ausländer ging.
2015 Mai
  ich verkaufte ihr dieses uhren- gehäuse aus dem 18. jhdt.
2015 Mai
Als ich sechs war und im Kinderheim lebte, schenkte mir meine Tante einen Satz herrlicher angolanischer Briefmarken mit wilden Tieren Afrikas, der mir jedoch schon sehr bald von einem Mitbewohner gestohlen wurde. Schon damals klärte ich den Fall selbst auf: In Frage kam nur ein bestimmter Junge, dessen Schrank ich einfach durchsuchte, mit Erfolg, woraufhin ich mir mein Eigentum einfach wieder nahm. Schaden erleiden, Täter verfolgen und die Beute zurückholen - dieses Strickmuster gilt auch noch Jahrzehnte später für mich.
2015 Mai
Ich erwarb den Nachlass des Reutlinger Malers Paul Beuttner, den die Erben komplett zuvor bereits der Stadt als Geschenk ohne Erfolg angeboten hatten. Darunter befand sich das Porträt einer Frau in Betzinger Tracht, das ich dem Kulturamtsleiter einzeln für 1000 DM anbot. Er kam zu diesem Zweck das erste und einzige Mal in meinen Reutlinger Laden. Er wollte aber das Bild nicht. Daher verkaufte ich es an einen Händler, der es reinigte, rahmte und für 3500 DM an einen weiteren Händler verkaufte. Dieser bot es der Stadt Reutlingen, vertreten durch den erwähnten Amstleiter, abermals zum Kauf an, diesmal für 7000 DM. Nun wollte er das Bild doch tatsächlich auf einmal kaufen. Aber dazu war die Zustimmung des Gemeinderats nötig. Die Reutlinger Gemeinderätin Ursula Menton, deren Mann ein Schüler Beuttners ist, rief mich an, um die Sache zu überprüfen. Offen erzählte ich ihr die Geschichte. Es kam im Gemeinderat zum Eklat, und dann wurde ein Untersuchungsausschuss eingesetzt, der ausging wie das Hornberger Schießen, und die salomonische Lösung war bloß die, das Bild für 7000 DM einfach gar nicht erst anzukaufen (s. GEA v. 9.2.1990, S. 9). Zwei der drei mit der Sache belasteten Kulturbeamten brachen den Kontakt zu mir ab, indem Sie einen witzigen Beuttner-Holzschnitt, den ich ihnen als Zeichen der Versöhnungsbereitschaft meinerseits geschenkt hatte, zurücksandten. Wieso ich für anderer Leute Dämlichkeit allerdings bestraft werden soll, leuchtet mir bis heute nicht ein.
2015 Mai
Kundin: "Lohnt sich die Versteigerung am Samstag?" Heck: "Für mich schon." Kundin: "Wie behalten Sie bei dieser Fülle die Übersicht?" Heck: "Ich brauche keine Übersicht - ich will ja nichts kaufen." Kundin: "Mit diesem Laden haben Sie sich wohl einen Traum erfüllt."                                Heck: "Ja, einen Alptraum." Heck: "Da haben Sie ja jetzt einen Haufen Bücher erworben." Kunde: "Ja, wissen Sie, ich bin nämlich pädophil." Kunde: "Ihre Bücher hier draußen werden nass." Heck: "Das glaube ich, dass Sie trockene Bücher bevorzugen." Kundin: "Gibt es hier irgendeine Ordnung?" Heck: "Ja. Was suchen Sie denn?" Kundin: "Ach nichts, ich will nur mal so schauen." Kundin kurz vor Feierabend: "Sind Sie zu?" Heck: "Nein, sehe ich so aus?"
2015 Mai
als ich vor über 30 jahren meinen laden eröffnete, gab es bei mir noch keine esoterik-abteilung. die wenigen esoterischen bücher stellte ich bei philosophie, theologie und psychologie ein. inzwischen ist die esoterik-abtlg. eine meiner größten.
2015 Mai
Schaden: ca. 10 000 DM. Ich kläre den Fall selbst auf, indem ich die Ankäufer im näheren Umkreis anrufe, wo tatsächlich ein Teil der Ware schon gelandet ist. Da die Täter dort ihren Ausweis vorzeigen mussten, sind sie schnell gefaßt und mit Hilfe der am Tatort zurückgelassenen Blutspuren auch überführbar. Doch das Strafverfahren gegen sie wird eingestellt, da die zu erwartende Strafe in keinem Verhältnis zu den Freiheitsstrafen steht, die die Rauschgiftbeschaffungskriminellen für andere Delikte zu erwarten haben.
2015 Mai
kunde: ist der schädel echt? ich: ja. kunde: weiß man, von wem der ist? ich: das ist der schädel von hildebrecht hommel. kunde: was? und woher haben Sie den? ich: ich hab den von seiner tochter. kunde: waas? die gibt Ihnen den schädel ihres vaters? ich: ja. nach einiger verwirrung kläre ich dann auf, dass der schädel auf dem schreibtisch von hommel stand.
2015 Mai
1. ARISTOTELES: In seinem Buch "Fisica ingenua" erläutert der Philosophieprofessor Paolo Bozzi eine junge Wissenschaft, die Lehre von der "angeborenen" Physik. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht objektivierende Daten, sondern das erkennende Subjekt. An einem Experiment mit Pendel und schiefer Ebene beweist er, dass die meisten Individuen, ohne es zu wissen, in aristotelischen Kategorien erkennen, die zum Teil zu den galileischen im Widerspruch stehen. Bozzi steht damit nicht nur in einer Jahrhunderte alten Tradition des Common sense, sondern geht zurück zu den Anfängen des philosophischen Denkens, bis zu dem griechischen Homo-Mensura-Satz: "Der Mensch ist das Maß aller Dinge". Am Beispiel der optischen Täuschungen dokumentiert Bozzi, dass diese keinesfalls Illusionen sind, da sie sich im Experiment mit stets denselben Ergebnissen wiederholen lassen. Seine erkenntnistheoretischen Betrachtungen des erkennenden Subjekts, dessen Sicht der Dinge oft im Widerspruch zur bisherigen Physik steht, führte zur inzwischen staatlich geförderten Einrichtung des Wissenschaftszweigs der angeborenen Physik. Sein Buch ist für wissenschaftliche Fachliteratur erstaunlich persönlich, ja von revolutionärer Subjektivität, und dies im besten Sinne, da er den in den Wissenschaften an den Rand gedrängten Menschen wieder ins Zentrum aller Überlegungen stellt. Bozzi verbindet daher wie selbstverständlich Autobiographisches mit Einzelwissenschaften überschreitenden Überlegungen. Neben der Erfahrung mit Musik spielt dabei vor allem das Buch eine entscheidende Rolle. Das Hören von Musik nämlich, deutlich gemacht an der Qualität eines Geigentons, entzieht sich der wissenschaftlichen Objektivierung fast völlig. So ist diese Erfahrung mit der Musik ein Zeichen für den angemessenen Umgang mit der Wahrheit, ebenso wie die Bücher, in denen sie konserviert ist. 2. ICH: Eines der neun Kapitel ist daher betitelt:"Bücher". Darin beginnt Bozzi mit den Ähnlichkeiten zwischen Tübingen und seiner Heimatstadt Gorizia. In einem schönen Bild vergleicht er die Dächer der Tübinger Altstadthäuser mit Büchern, die umgedreht mit dem Rücken nach oben auf einem Schreibtisch stehen. Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen beiden Städten sei jedoch, daß es in Tübingen Antiquariate gebe, in seiner Heimatstadt nicht. Zunächst erweist der Autor Hermann Hesses Arbeitsstätte am Holzmarkt Reverenz und fährt fort: "Von dort aus einmal nach links, den Berg hinunter, dann nach rechts, kann der Bücherliebhaber ein kurioses Antiquariat voll mit Büchern und anderen Wunderdingen finden, wie Autographen von großen Männern,Briefe, Erstausgaben, Schreibfedern, die irgendein Genie berührt hat (und davon sind einige durch Tübingen gegangen!), Porträts von jungen Philosophen. Hinter der Theke sitzt ein korrekter junger Mann, den man so gut wie gar nicht sieht. Es scheint, als würde er spähen, wer hereinkommt oder wer an den Vitrinen stehenbleibt, in denen man wegen des Staubs und der Fülle der ausgestellten Objekte wenig sieht. Er ähnelt dem jungen Brahms, zu der Zeit, als er Schumann kennenlernte: Er ist blond, hat dieselbe Frisur, dieselbe hohe und reine Stirn. Wenn er sich jedoch erhebt, überragt er Brahms klar um anderthalb Spannen (...) Wenn man die Regale mit den Erstausgaben rechts liegen lässt, die sich schon durch den Preis verbieten, eröffnet sich hinter einem schmalen Gang ein Raum von unglaublicher Geometrie, der einfach voll ist mit alten Büchern. Hier stehen die deutschen Klassiker in Ausgaben von vertrautem Aussehen..." Dann berichtet der Autor, wie er hier eine Ausgabe von Thomas von Aquins "Summa Theologica" gekauft habe, obwohl er schon mehrere besitze, einfach aufgrund ihres Geruchs. "Alle Bücher haben einen Geruch", so leitet er einen süskindschen Exkurs über die verschiedenen Gerüche von Büchern ein.
2015 Mai
In dem Haushalt eines pleitegegangenen Honorarkonsuls befand sich ein Gemälde, das der ehemalige Verteidigungsminister Georg Leber gemalt hatte, ein äußerst dürftiges Stilleben mit Banane. Dass Leute zu therapeutischen Zwecken malen, kann ich nur begrüßen, jedoch wundere ich mich immer wieder über das Selbstverständnis, mit dem derartige Produkte auch noch verschenkt werden. Es erstaunte mich daher nicht, dass der Konsul gerade dieses Werk bei seiner Abreise hinterließ. Bei einem Vortrag von mir bei Jung-Rotariern nahm ich dieses Bild mit, deckte die Unterschrift ab und bat mit den Worten "Den Künstler kennen Sie alle" um Äußerung über die Qualität des Gemäldes. Die Bewertung fiel sicher günstiger aus, als wenn ich nur gesagt hätte, daß der Urheber Herr Jedermann ist. Als das Bild nach Jahren noch nicht verkauft war, nicht einmal an einen Militariasammler, bot ich es dem Leber selbst an. Ich kann verstehen, daß er es nicht zurückkaufen wollte. Später gelang es mir dann, das Gemälde an das Württembergische Landesmuseum, Abteilung Naive Kunst, Unterabteilung Arbeiterkultur zu verkaufen. Als ich Leber von dieser erfreulichen Entwicklung benachrichtigte, reagierte er nicht mehr, wahrscheinlich fühlte er sich veräppelt.
2015 Mai
so der "drache vom bläsiberg": bei meinen nachlassauktionen trug sie dinge zusammen, verstaute sie in einem bettüberzug, versteckte sie unter einem stuhl, auf dem sie hockte und jeden anfauchte, der das sammelsurium gern auch mal besichtigt hätte, hielt mir bei der auktion den sack hin und bot komplett 10 dm. unter allgemeinem gelächter holte ich die schätze einzeln heraus.
2015 Mai
dass kunden noch misstrauischer sein können als ich, zeigt der musiker, der neulich behauptete, 1. jemand habe in meiner schallplattenabteilung von meiner kommode die beschläge geklaut, 2. damit man die schubladen nicht mehr aufkriege, in denen 3. der täter schallplatten für sich quasi reserviert habe, die der musiker bei seinem vorletzten besuch noch gesehen habe. ich hatte natürlich sofort einen verdacht, bis sich herausstellte, dass die schubladen der kommode gar nicht existieren, sondern nur angedeutet sind. es handelt sich um eine truhe, die oben so mit ware beladen ist, das wirklich NIEMAND darin sachen versteckt.
2015 Mai
Einen Louis-Seize-Stuhl hatte ich von einem Kollegen in Kommission genommen, der bei ihm schon jahrelang unverkauft geblieben war. Er hielt ihn für ein Stilmöbel nicht aus der Originalzeit, sondern um 1880. Auch bei mir stand das gute Stück ohne Erfolg. Als ich es nach langer Zeit zurückbringen wollte und vor der Ladentür abstellte um abzuschließen, fragte mich eine Passantin, ob ich das Stück auf den am selben Tag stattfindenden Sperrmüll stellen wolle. In diesem Fall würde sie ihn gerne mitnehmen. Trotz des erfreulichen Interesses konnte ich ihr die Bitte nicht erfüllen und gab dem Kollegen sein Stück zurück. Nach weiteren Jahren stellte sich heraus, daß der Stuhl doch aus der ersten Zeit stammte und von uns stets viel zu billig angeboten worden war.
2015 Mai
Ein junger Mann betrat mit seiner Freundin den Laden und entdeckte eine schöne Wanduhr. Als er nach dem Preis gefragt und ich geantwortet hatte: "Eintausend DM", erschreckte er: "Was, so viel?" Daraufhin sagte eine ebenfalls im Laden anwesene Dame, die den jungen Mann nie vorher gesehen hatte, zu ihm: "Ich schenke sie Ihnen!" Er sah mich ungläubig an, da ich aber die Kundin gut kannte und durchaus von ihrer Ernsthaftigkeit überzeugt war, ermutigte ich ihn, auf das Angebot einzugehen. Er nahm seine Uhr unter den Arm, bedankte sich herzlich und kam nie wieder zurück, aus lauter Angst, ich würde die Uhr vielleicht wieder herausverlangen. Einem weiteren Kunde, dessen Namen ich benennen könnte, schenkte sie bei anderer Gelegenheit einen Bierkrug für 400 DM. Allein die Darstellung aller Erfahrungen mit dieser Frau würde einen Roman füllen. Da ihre Familie aber in Tübingen lebt, möchte ich aus Rücksicht darauf verzichten. Nur soviel kann ich hier sagen, dass ihre maßlosen Einkäufe - aus kaufmännischer Sicht für mich durchaus beglückend - sich immer mehr mit unberechenbarem Verhalten verbanden, zum Beispiel zuletzt nächtlichem Telefonterror, Denunziation bei meinen Kunden, ja sogar beim Finanzamt, so dass meine Frau und ich nervlich schließlich so am Ende waren, dass wir die Geschäftsbeziehung abbrachen. Jahre später erfuhren wir, dass sich die Mutter dreier Kinder das Leben genommen hatte.
2015 Mai
des baden-württembergischen Staatsministeriums mir sagt, dass ich seinen Traumberuf hätte, so schmeichelt mir das.
2015 Mai
in die Kategorie der Künstler, die unter fehlender Anerkennung leiden, gehört der schwäbische Maler Wolfgang Lämmle, den ich schon in der Jugend kennenlernte. Obwohl ich seine eigenen impressionistischen Gemälde für gut halte, äußerte er die bittere Ansicht, dass Künstler und Schweine gemeinsam hätten, erst nach ihrem Tod interessant zu sein. Infolgedessen verlegte er sich aufs Fälschen, wurde erwischt und zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Seine Fälschungen habe ich mir angesehen: niemand, der auch nur wenige werke der gefälschten künstler mit wachem sinn betrachtet hat, konnte darauf hereinfallen.
2015 Mai
am 8. Mai 1945 in Berlin-Karlshorst bei der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht. Zuvor hatte er tübingen eingenommen. Einer seiner späteren adjutanten war dabei und verliebte sich in eine tübingerin. Aus seinem nachlass hab ich 2 schöne möbel hier: 1 sekretär und 1 kommode.
2015 Mai
Was die Einschätzung von Bedeutung und Kaufinteresse eines Besuchers angeht, kann man sich gewaltig täuschen. So betrat einmal ein ziemlich ungepflegt wirkender Mann den Laden, wobei ich den Eindruck gewann, er wolle die Zeit statt unter der Neckarbrücke lieber bei mir totschlagen. Ich war nicht wenig überrascht und beschämt, nachdem er sich als äußerst sachkundiger Sammler und Drucker von Horst Janssen erwiesen und sogar gegen meine Erwartung reichlich eingekauft hatte...
2015 Mai
am 3.2. wurde mir per foto ein (byzantinischer?) ring angeboten. Als ich keinen preis sagen wollte, war die andre seite beleidigt. ich zu meinem praktikanten: „wetten, dass die noch mal anrufen und 2000€ wollen?“ genau dies geschah am 10.2.: 2000€! Wieder lehnte ich ab. Ich prophezeite ein wesentlich günstigeres angebot, das auch nach einigen wochen kam, mir aber immer noch zu hoch war: ca 500€. Bei der hälfte würde ich mal anfangen zu überlegen, sagte ich. Gestern nun rückten 3 mann an und legten das stück für 250 € VB vor. Der übersetzer verwendete gegenüber seinen bulgarischen (?) begleitern das wort „psychopath“, das sich wohl auf mich bezog, da ich sehr genau nach der herkunft des stücks gefragt hatte. Man einigte sich wieder nicht. Wenn sie sich nun noch mal melden, wird der „psychopath“ endgültig absagen.