Eine meiner lieblingsgeschichten: ein verheirateter kunde hat eine geliebte, der er bei mir geschenke kauft, von denen ich immer denke, dass sie eigentlich nicht zu der dame passen. Und tatsächlich: Kaum ist die affäre beendet, bringt die geliebte mir die sachen zurück. Kurz darauf kommt die ehefrau des kunden und hätte um ein haar ihrem mann die geschenke aus dem besitz ihrer rivalin zurückgeschenkt. Das hätte ich zu gern erlebt!
kommt ein kunde und fragt: "haben Sie bücher über mose?". ich schicke ihn zur theologie. er: "Ähm - Moose mit zwei o."
der tübinger germanist hans mayer soll einmal nach vielen jahren einen bekannten getroffen haben. Zunächst berichtete er sehr ausführlich über sich, seine gesundheit, seine probleme, seine wissenschaftlichen projekte u.v.a. Zuletzt wandte er sich endlich dem gegenüber zu mit den freundlichen worten: “und nun zu Ihnen. Haben Sie mein neues buch gelesen?“ Von der sorte gibt es in TÜ noch mehr, so einen antiquar, der von wirklich JEDEM thema aus bei seinem warenangebot landet. PS: von hans mayer besitze ich ca 2 dutzend bücher, davon die hälfte von ihm signiert.  
ich kaufe von einem kunden dieses unsignierte und unidentifizierte gemälde. er weiß nur noch, dass er es um 1960 in stuttgart im atelier der künstlerin im haus des BBK Bund Bildender Künstlerinnen e.V. gekauft hat. ihr name sei unger oder so ähnlich. ich kenne sie nicht, ebenso wenig wie weitere von mir befragte experten. vom BBK bekomme ich auf 2 anfragen gar keine antwort. nun fiel dem kunden selbst der name der künstlerin wieder ein: eva unterberger. kurios ist nun, dass sie in dem von MIR verfassten reutlinger künstlerlexikon steht, noch kurioser, dass eine der befragten expertinnen ein ganzes buch über die unterberger verfasst hat! trotzdem sind wir alle nicht auf sie gekommen.
Diese woche waren 2 kunden hier und äußerten sich kritisch über gebrauchte bücher. Ich verteidigte, ja begrüßte z.b. anmerkungen in gelesenen büchern. Meine frau z.b. fühlt sich davon gestört, mich interessieren sie. So las ich heute in einem büchlein von grillparzer „vom geist der kunst“ aus der bibliothek der malerin gude schaal, mit der ich wenige, aber tiefe gespräche geführt habe. Nun ist sie mit 96 gestorben, und immer noch kann ich durch ihre anmerkungen von ihr erfahren, was ihr wichtig war.
Habe mal gezählt, wie oft pro tag mir mein Hund im weg steht: ca 40 x. Das sind in einem durchschnittlichen hundeleben etwa 150 000 x. Negativ formuliert: er nervt, neutral: er behindert mich, trägt aber zur entschleunigung bei, positiv: erstaunlich, wie oft er ahnt, wohin ich will.
Gestern war ein frau bei mir im laden, die dinge aus dem nachlass ihres vaters veräußern wollte. Da kam ihr ehemaliger pfarrer dazu, der beide noch kannte. Die konstellation war für mich zu schön, um auf die ketzerisch wirkende äußerung zu verzichten, nicht der pfarrer sei der letzte mensch hienieden im leben eines menschen, sondern der antiquar. Der protestantismus des pastors bäumte sich hiergegen ohne erfolg auf.  
Ich sei ja vor 1 jahr dagewesen wg eines parkinson-anfalls. Irritiert frage ich nach dem geburtsdatum. Stimmt exakt. Nun überlege ich, ob ich die mir angebotene KOSTENLOSE behandlung annehme oder bei mir eine demenz diagnostizieren muss, da ich mich weder an beschwerden noch an den erwähnten besuch erinnere.
dass nicht der geldmangel das hauptproblem im antiquariat ist, sondern der mangel an zeit. Wenn ich in einer anderen stadt bin, was extrem selten vorkommt, ist für mich der besuch der antiquariate das einzige, was ich als konsument anstrebe. Wenn andere das ziellose stöbern dort nicht mehr als genuss empfinden, sondern als belastung, kann ich da wohl wenig machen. Die einen fahren weit, um 2 cent pro liter benzin zu sparen, andere recherchieren mit lichtgeschwindigkeit und wollen ebenso schnelle ergebnisse, was bücher(inhalte und –käufe) betrifft. Gegen einen solchen kulturwandel bin ich als einzelner machtlos. Ich kann nur hoffen, dass es manche noch immer genießen können, sich unter meinen 300 000 büchern treiben zu lassen und entdeckungen zu machen.
zur druckqualität von alten buchausgaben um 1900: ein offsetdrucker hat mir bestätigt, was man mit bloßem auge sieht: die farbtafeln der alten ausgaben sind in vielfarbdruck gedruckt (also in bis zu ca 10 farben), während die neueren alle im 4-farbdruck sind. wenn man z.b. ein altes orig. kinderbuch und sein modernes facsimile nebeneinanderhält, sieht dieses aus wie 2x gewaschen, während die alte vorlage glänzt wie gemalt! auch der neuzeitliche möbelbau kann nicht mit dem antiken konkurrieren: früher war der lohn niedrig und das material teuer, heute ist es umgekehrt. welches möbel hat noch schwalbenschwänze? stattdessen billige leimung und getackertes. dass ganze noch mit chemikalien behandelt. und trotzdem bekommt man im antikhandel qualitätsmöbel zum preis wie heute ein massenprodukt.
kramte ich in meiner erinnerung: vor fast 35 jahren bot mir die schwiegermutter eines weltbekannten tübingers ihr lexikon zum kauf an. Ich holte es – damals noch – mit dem leiterwägele ab. (Inzw . hab ich sogar ein auto.) ich rumpelte damit in mein lager. Dort angekommen, verkaufte ich die reihe gleich an den nachbarn, der mich abgefangen hatte. Monate später behauptete er, die folge sei nicht komplett gewesen. Ich hatte das nicht kontrolliert, einigte mich aber mit ihm. So lagen von anfang an erfolg und ärger nah beieinander. Den letzten brockhaus habe ich vor wenigen wochen von einem kunden zurückerworben, der ihn bei mir einst gekauft hatte.
mein 6-jähriger enkel wählt unter meinen 300 000 büchern das über pippi aus, und unter den kapiteln, die ich ihm vorlesen könnte, ausgerechnet das obige. Als pippi sagt, sie wundere sich, dass nicht mehr leute das sachensuchen zum beruf machen, breche ich begeistert ab, um dem kleinen die sachen zu zeigen, die ich soeben erworben habe.
 "von beileidsbezeigungen bitten wir abzusehen. ein kondolenzbuch liegt aus."
Soeben erwarb ich einen text hap grieshabers über kalligraphie aus dem jahr 1946. als ich einen kunden deswegen anrief, kam heraus, dass der angerufene selbst diesen text vor langer zeit von hand gesetzt hatte, so dass ich nicht nur mit einem potentiellen interessenten sprach, sondern den schöpfer des blattes erwischt hatte
habe gestern kunst und antiquitäten für einen ehemaligen personalchef bewertet und ihn anschließend gefragt, ob er mich - rein theoretisch - in seiner firma unterbringen könnte. er: "ja, als gruppenleiter von 4-5 personen." immerhin. mein bester kunde, kaufmännischer direktor einer zuliefererfabrik, hatte auf dieselbe frage einst geantwortet: "Sie würden da eingehen!"
ich lese gerade in der autobiografie von wilhelm hausenstein. darin erwähnt: travens SIERRA MADRE, das ich eine stunde zuvor in der hand hatte, und alfons paquet, aus dessen bibliothek ich heute vormittag ein buch einsortiert habe.
vor über 25 jahren, war der von paul beuttner, von dem hitler 1 gemälde besaß, das er in seinem münchener haus der kunst erworben hatte. Als das archiv dieses hauses vor einigen jahren entdeckt wurde, zeigte die kamera in 3sat kulturzeit ausgerechnet auf die karteikarte von paul beuttner. Heute habe ich ein werk aus beuttners nachlass verkauft, das ich auch für ein werk beuttners hielt, ebenso wie dessen tochter es tat, die mir die fehlende signatur durch die ihre ersetzte. Nach langer zeit entdeckte ich schließlich ein monogramm M, das ich nach jahre langer recherche identifizierte. Das werk stammte jedenfalls nicht von beuttner, so dass ich die unterschrift von beuttners tochter wieder entfernte. Der vorgang beweist, dass selbst künstlerkinder nicht immer experten für das werk ihres vorfahren sind
Kundin fragte gerade nach dem preis für einen ohrenbackensessel. Ich sagte ihr versehentlich den für einen davorstehenden armlehnsessel. Wenn sie nun gesagt hätte: “das ist doch kein ohrenbackensessel!“, hätte ich antworten können: “ich weiß. Aber ich weiß nicht, ob Sie es wissen. Ich hatte schon kunden hier, die suchten bauernmöbel und zeigten dann auf schränke, die noch nie einen bauern gesehen haben.“
heute vor genau 100 jahren hielt kaiser wilhelm II seinen aufruf "zu den waffen". zufällig bekomme ich aus einem neueingang soeben den entwurf in die hand, den der theologe adolf von harnack verfasst hat und der der kaiserlichen rede zugrundeliegt. 5€. antiquariat kann so aktuell sein.
zentnerweise EINgetroffene bücher liegen noch am boden beim eingang. kommt ein kunde:"so, tun Sie AUSmisten?"
1 Antiquar will seinen laden auflösen, der andere Antiquar würde gern die bücher übernehmen. 1 tag vor der geplanten übergabe ruft der 1. an: „schlechte nachricht“. Der 2. denkt: “oh je, der deal platzt“. Doch es war eine beiden gemeinsame klassenkameradin gestorben. Ohne sie aber, die ihm ohnehin ferngestanden war, konnte der kaufinteressierte Antiquar leben, nicht jedoch ohne den zustrom weiterer bücher, bei deren bearbeitung er so was wie ewige seligkeit verspürte. ewig deshalb, weil er sich in diesem moment nicht klarmachte, dass er all die bücher kaum je verkaufen konnte.
kundin (offenbar biologie-studentin) hat zu weihnachten 2x das gleiche buch geschenkt bekommen, 1 will sie mir verkaufen. sie nennt den neupreis: 74€. ich frage nach ihren preisvorstellungen. "70€"!
steht auf meiner autoreparaturrechnung. als antiquietschätenhändler kann ich das sicher steuerlich absetzen.
habe ich bei der lektüre des „handbuchs des verhörens“ mit dem titel „der weiße neger wumbaba“. Darin das missverständnis, dem marion gräfin dönhoff als kind erlag, die bei ihrem tischgebet immer sagte: „komma jesus, sei unser gast“. Wer glaubt mir, dass mein exemplar dieses köstlichen buchs ausgerechnet aus der bibliothek von link ❱ stammt, dessen bücher bei mir sind?