Thomas Leon Heck
Willkommen auf thomasleonheck.de, der Seite des Dußlinger Auktionators, Verlegers, Antiquars und Kunstexperten Thomas Leon Heck.
2014 November
sagte ich zu einem kirchenbeamten, als der sich wehmütig in seine eigenen bücherkisten vertiefte, die er mir doch gerade gebracht hatte. er kannte dieses jesus-wort nicht. da er gleichzeitig kritisch feststelllte, dass ich diesen monat hier unterdurchschnittlich wenig gepostet habe, hoffe ich, hiermit aufzuholen. 1 post habe ich übrigens auf kundenwunsch gelöscht, obwohl ich ihn für unproblematisch hielt.
2014 November
Vor jahren besaß ich das älteste bekannte porträt von goethes chef, dem herzog carl august von sachsen–weimar. Zum zweck des verkaufs besuchte ich weimar, das während der weimarer klassik DAS geistige zentrum deutschlands war: wieland, goethe, schiller, herder u.v.a. Nur wenige kilometer entfernt ist das KZ buchenwald. Allein die nähe zwischen dem wertvollsten und beschämendsten, was deutschland hervorgebracht hat, ist nicht zu begreifen und kaum zu ertragen. In buchenwald entdeckte ich eine gedenktafel, dass im kleiderlager das kind stefan zweig versteckt wurde. Als ich später dort anrief, um zu fragen, ob der dichter stefan zweig gemeint sei, wusste die mitarbeiterin am telefon nicht mal von dieser tafel! Es war übrigens stefan jerzy zweig gemeint, also nicht der dichter. und soeben entdecke ich, dass der „prediger von buchenwald“, der märtyrer paul schneider (http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Schneider_%28Pfarrer%29…) ca 1 ½ jahre in meinem nachbarort weilheim (tübingen) gelebt hat.
2014 November
In einem soeben erschienenen buch HELDEN DER KUNSTAUKTION steht: „Auktionen, Auktionatoren und Auktionshäuser kommen in der ernsthaften Belletristik selten vor.“ Das von mir verfasste buch „die auktion in der literatur“ führt den gegenbeweis, ist aber den au(ktiona)tor(inn)en offenbar unbekannt.
2014 November
die vandalen sind allgemein bekannt für ihren vandalismus. weniger bekannt ist, dass sie in nordafrika eine hochkultur hatten. über einen ihrer bedeutendsten vertreter aus dem 6. jhdt. n. chr. ist vor fast 30 jahren ein buch erschienen, an dem ich mitgewirkt habe (was nun fast niemand mehr weiß, da der autor auch schon tot ist), weshalb ich im vorwort mehrfach erwähnt bin. das mobile vermögen einer dort ebenfalls erwähnten person, die mich zutiefst unsympathisch fand, habe ich gerade bewertet. angesichts der eingeschlagenen scheiben am haus und des ungepflegten zustands im innern denke ich wieder an die - vandalen. so schließt sich der kreis mit mir als mittelpunkt.
2014 November
Vor über 30 jahren saß ich im büro eines klinikdirektors wegen des nachlasses eines künstlers, der sein testament zugunsten dieser klinik gemacht hatte. die halbe stunde unserer besprechung wurde mehrfach durch anrufe von anwälten und banken unterbrochen: einmal wg einer immobilie, die die klinik geerbt hatte, einmal wg ein paar barren gold, ebenfalls vermacht, einmal wg einer briefmarkensammlung. Bei all diesen dem krankenhaus zugeflossenen werten schlug der wert „meines“ künstlernachlasses kaum noch zu buche. ich frage mich heute noch, ob man das ganze nicht eher im büro eines börsenmaklers ansiedeln würde. Ich komme darauf, weil der direktor inzwischen verstorben ist und sein erbe mir gerade werke eben dieses künstlers anbot, die der direktor damals erworben hatte.
2014 November
wenn Sie im laden ein buch erwerben, egal ob neu oder antiquarisch, das Ihnen peinlich ist, widerstehen Sie der verständlichen versuchung, es ganz unten in Ihrem stapel zu verbergen. beim addieren der preise liegt es nämlich zuletzt ganz oben - und alle sehen es.
2014 November
ein prominenter ging mal am laden vorbei, kurz nachdem ich tausende autogramme reinbekommen hatte. ich, an der ladentür lehnend:"guten tag, herr XX. mal sehen, ob wir ein autogramm von Ihnen in der 50-pfennig-kiste haben." er hat sich trotzdem ins gästebuch eingetragen.
2014 November
selbstständiger handwerkermeister sucht einen gedichtband, den schon sein vater gehabt habe. ich im blick auf die beschaffungskosten, da ich das buch nicht hatte: "wieviel darf der kosten?" er mit wichtigem unterton: "der derf scho was koschte!" ich in erwartung gesteigerten umsatzes: "wieviel?" er: "10 mark"! ich: "für den preis kann ich ihn nicht mal beschaffen". der auftrag kam nie zustande.
2014 November
jemand sucht einen leuchter, ich zeige einen. Kunde: „das wär genau der richtige. wenn Sie den zweimal hätten!“ Ich: „ich hab den zweimal.“ Kunde: „das wär aber schad, wenn man die auseinanderreißen würde“.