Thomas Leon Heck
Willkommen auf thomasleonheck.de, der Seite des Dußlinger Auktionators, Verlegers, Antiquars und Kunstexperten Thomas Leon Heck.
2013 September
  Gestern bekam ich die nachlässe von 2 lieben kundinnen herein, von denen eine mit 93 starb, die andere mit 96. „meine taktik ist ganz einfach: ich mach mich an 70-jährige damen ran, warte 20-30 jahre, und zack krieg ich die schönen sachen“. Gegen solche vorwürfe hat mich die ältere jahrzehnte lang in schutz genommen. Noch im jahr vor ihrem tod berichtete sie, sie steige geistig immer höher, was ich ihr glaubte. Sie hat mich in öl porträtiert - eine seelenlandschaft. Selten habe ich mit jemandem im gespräch stets so harmoniert wie mit ihr. Jetzt hab ich die plakate ihrer ausstellungen von ihren möbeln abgehängt, die sie dort vor langer zeit angesteckt hat. Die jüngere war die schwiegertochter eines mitglieds einer deutschen revolutionären räteregierung von 1919, dessen nachlass im hauptstaatsarchiv ich nicht unwesentlich bereichert habe. Sie sagte mir mal, ihre selbstständigkeit sei härter gewesen als der krieg.
2013 September
  Neulich habe ich 10 000 bücher an einen dekorateur verramscht. Nun stelle ich mir vor, dass prof. dr. herbert kraft (wieder mal) seinen namen googlet und dadurch hier erfährt, dass sein buch nun als dekoware in dutzenden boutiquen herumliegt
2013 September
  Gerade habe ich den nachlass einer künstlerin geholt, mit der ich jahrzehnte freundschaftlich verkehrte. Meine schönste geschichte mit ihr: einmal kam ein buch herein um 1943, das sie illustriert hat. Ich bot es ihr an, damit sie es evtl. verschenken konnte. Sie selbst würde es ja haben, nahm ich sicher an. Doch sie war total überrascht:“was? Das ist erschienen? Ich hatte gehört, eine bombe habe die gesamte auflage zerstört!“ So konnte sie etwa 70 jahre nach erscheinen ihr „kind“ endlich in die arme nehmen.
2013 September
  anlässlich einer einladung zum essen brachte ich der gastgeberin gestern ein von ihr selbst verfasstes buch mit, das sie normalerweise zurückzukaufen pflegt, da es völlig vergriffen ist, während ich es 10x dahabe. womit der wohl einzigartige fall eintrat, dass eine kochkünstlerin ihr eigenes werk als schriftkünstlerin zum dank erhält. Überhaupt ist das schönste am autorendasein, sofern man nicht davon leben kann, dass man stets ein selbstgemachtes geschenk bei der hand hat, hier nun in der passiven variante. Den fall, dass ich ein von mir verschenktes buch zurückkaufen soll, habe ich übrigens schon oft erlebt.
2013 September
  Beim einräumen eines neuen regals stellte ich fest, dass ich allein von heinrich böll 6 laufende meter bücher da habe! Man frage mich allerdings nicht, wie viel ich verkauft habe oder noch zu verkaufen hoffe
2013 September
    Wie ich den späteren papst josef ratzinger 1992 um einen beitrag aus katholischer sicht für mein buch DAS PRINZIP EGOISMUS bat, so auch den literaturpapst MRR aus literarischer. Der sicher von vielen seiten um beiträge angegangene literaturkritiker ließ es sich nicht nehmen, mir höflich abzusagen und den brief eigenhändig zu signieren. Alte schule.
2013 September
verkaufe gusseiserne schneidemaschine marke ANGELA (der name ist eingegossen!) für 49€. am wahlabend werden damit ROTE gedrittelt oder geviertelt (= 33-25%), jeder gibt seinen senf dazu.
2013 September
  Heute morgen bemerkte ich das fehlen eines bierkrugs. Als erstes hatte ich einen handwerker in verdacht, der ihn bei den derzeitigen anbaumaßnahmen beschädigt und dann beseitigt haben könnte. Als er glaubhaft dementierte, ging ich die letzten kunden durch. Natürlich denke ich dann auch an diebstahl. Die zuerst angerufene kundin hatte tatsächlich den krug woanders abgestellt! Erleichterung. Das traut mir kaum jemand zu, dass ich auf fast  dreitausend quadratmetern mit ca ½ million objekten das fehlen eines einzelstücks relativ schnell bemerke. einmal kaufte jemand einen alten geldschein, worauf ich sagte: davon müssten eigentlich 2 dasein.
2013 September
Aus einem nachlass bekam ich jüngst einen sack voll fotos, darunter wenig interessantes: selbst für mich als hundehalter entschieden zu viele hundefotos, ein kaffeeklatsch am küchentisch der verstorbenen, an dem eine bitter dreinblickende besucherin sitzt und die zweifelhaften aspekte von „freundinnen“ herrlich illustriert, das foto eines toten, der mit geöffneten (!) augen im sarg aufgebahrt ist, und das foto der wohnungsinhaberin, wie sie gerade eine porzellanskulptur aus ihrer geschenkverpackung befreit. Als ich wieder in den haushalt kam, erwarb ich ebendiese skulptur. Der zusammenhang zwischen dem foto und der porzellanfigur war den erben unbekannt geblieben. Jetzt besitze ich also ein foto von 1987 und die porzellanfigur, die strahlende besitzerin ist inzwischen verstorben - wieder mal eine besondere verbindung.
2013 September
  Eine Kundin sagte mal zu ihrem ca 8-jährigen sohn, der sich bei mir bedankt hatte nach dem austausch von geld und ware: „du musst dich bei dem mann nicht bedanken, wenn du ihm etwas abkaufst“
2013 September
  Ein phänomen, das mich immer wieder fasziniert, sind  ungeöffnete briefe in nachlässen. Noch bevor der empfänger den brief des absenders gelesen hat, ist er schon tot! In meinem nachlass dürfte sich auch ein solcher vorfinden, ob er allerdings dort bemerkt werden wird, weiß ich nicht. Es gibt wohl nur 2 arten solcher ungelesenen briefe: die, die einen zu sehr belasten würden, und die, die einen zu wenig interessieren. Im nachlass des arztes von hap grieshaber fand ich gerade einen der letzteren art vor: den dank eines patienten, für einen arzt offenbar nicht immer spannend.
2013 September
  im moment befreite ein monteur eine an die kellertür klopfende kundin aus meinem untergeschoss, die ich dort versehentlich eingesperrt hatte in der annahme, sie befinde sich 1 stock höher. Als sie endlich befreit war und zahlen wollte, lag zufällig ganz oben auf ihrem stapel das buch von hermann hesse mit dem titel „die hölle ist überwindbar“. Ich schenkte es ihr.
2013 September
  Eine kundin hat durch mich entdeckt, wie spannend poesiealben sein können. Jetzt erwarb sie irgendwo eins und fand heraus, dass eine dort um 1919 eingetragene edelgard sommerlath weitläufig verwandt ist mit königin silvia von schweden, einer gebürtigen sommerlath. Die kundin sandte nun der königin eine kopie ihres fundes und erhielt ein dankschreiben aus dem königlichen schloss mit den worten: „Ihre Fürsorge hat der Königin viel Freude bereitet“.
2013 September
  Vor vielen jahren verkaufte ich ein ölgemälde als „nolde-umkreis“. Der erwerber glaubt aber fest daran, einen nolde erworben zu haben, und hat mir tatsächlich eine kryptische signatur gezeigt, die der künstler im 3. reich irgendwo versteckt haben soll. Wenn er recht hätte, wäre das der größte fehler meines lebens, da ich mich nur auf meine eigene einschätzung verlassen hatte und keinen nolde-experten zuzog. Der optimistische kunde hat jedenfalls das gemälde in einem labor untersuchen lassen, das jetzt – m.E. zu unrecht – im rahmen der jüngsten fälschungsskandale durchsucht wurde. Dabei tauchte in einer beschlagnahmten datei der name meines kunden und seines „nolde“ auf. Nun schickte ihm der polizeipräsident von berlin einen brief, in dem er nach der herkunft der „fälschung“ fragte. Selbstverständlich erlaubte ich dem kunden, mich als quelle zu benennen, zumal außer ihm niemand glaubt, es handle sich um einen nolde, so dass von einer fälschung schlechterdings nicht ausgegangen werden kann.
2013 September
  Hermann schmidt, dessen antikhalle in dusslingen ich vor bald 5 jahren übernahm, ist über flohs antikladen in der tübinger haaggasse in die antiquitätenszene gekommen und hat nach ersten verkaufserfolgen sein physikstudium an den nagel gehängt, um selbst nur noch als händler aktiv zu sein.
2013 September
  In tübingen wohnten wir in der nähe einer vorwerk-filiale, mit der konsequenz häufiger, verbotener und lästiger vertreterbesuche, die ich mir mehrfach und schließlich mit erfolg verbat, denn  ich erhielt ein schreiben, dass ich künftig nicht mehr belästigt werden würde. doch nach geraumer zeit läutete es wieder, diesmal war es ein vorwerk-mann, der seiner assistentin offenbar so richtig zeigen wollte, wie es geht. Doch bevor(werk) er seine überzeugungskünste demonstrieren konnte, verlangte ich seine visitenkarte, die er verweigerte, ebenso wie seinen namen. Da entriss ich ihm den aktenkoffer, um seine daten darin zu finden, woraufhin beide die flucht ergriffen und mir den koffer kampflos überließen. Abends besuchte mich die polizei: ich war wg diebstahls angezeigt worden. Den vorwurf konnte ich glaubhaft entkräften, da ich keine aneignungsabsicht hatte. Wie ich mich kenne, erstattete ich nun meinerseits anzeige wg hausfriedensbruchs und körperverletzung, da der besuch natürlich in der Mittagsruhe erfolgte. Zu guter letzt erhielt ich einen scheck über 500 dm mit persönlichem entschuldigungsschreiben des vorstandsvorsitzenden! MEINE SCHÖNSTEN 500 dm je. Ich erzähle das lange zurückliegende ereignis nur, weil ich vor kurzem einen vorwerk kobold- staubsauger hereinbekam, ca 70 jahre alt und intakt! Ich schrieb also vorwerk gestern eine mail mit der bitte um datierung der gehäusenummer (um 580 000). Nun rief so eine pfeife an und erklärte, er sei seit 35 jahren bei der firma und kenne das modell nicht, es müsse also älter sein. Als ich ihm sagte, es sei noch aus dem „deutschen reich, also vor `45“, antwortete er: „wenn es 45 jahre als ist, gibt es darüber keine unterlagen“. Ein firmenarchiv gebe es nicht, was ich im übrigen bezweifle, aber mir reicht es nach diesem anruf mal wieder für jahre von vorwerk.