Mein jüngster neueingang: der nachlass eines fliegers, der 1938 mit 12 jahren in ein ns-elite-internat kam, die napola backnang, von wo aus er hunderte briefe nach hause schrieb, die nun bei mir sind. Schon mit 15 wurde er flak-helfer und lechzte ab da nach seinem ersten kriegseinsatz. Noch im april 1945, als selbst hitler schon alles verloren gab, hoffte er, dass der vormarsch des feindes im schwarzwald aufgehalten werden könne, und falls er eine waffe hätte und auf einen russen träfe, so würde er davon gebrauch machen. Er gehöre nicht zu denen, die jetzt türmen! Sein weg, den diese briefe fast vollständig belegen, führte ihn vom jungmann in die kriegsgefangenschaft mit 19 jahren. Am bemerkenswertesten finde ich dass er in einem späteren bewerbungsschreiben (wohl aus den 50ern) von „7 verlorenen jahren“ spricht, während doch seine begeisterung bis zuletzt angehalten hatte und die gefangenschaft nur 1 ½ jahre dauerte dass er sich in demselben schreiben 10 jahre älter macht und zu diesem zweck auch die beigefügten zeugnisse fälschen musste dass seine kinder diese dokumente einfach entsorgen.
Vor wochen wurde mir ein wundervoll gearbeitetes messgewand eines katholischen priesters angeboten, mit etwa einem kilo faden aus reinem silber meisterhaft durchwirkt. Trotz meiner begeisterung für die herrliche arbeit nahm ich vom kauf abstand, da ich bei meiner kundschaft dafür kein interesse voraussetzen konnte. Der anbieter verkaufte das gewand eines gewöhnlichen priesters anschließend einem kollegen von mir. Der nun bot mir dieser tage genau dieses stück an als „gewand eines papstes“! da hat die textilie innerhalb weniger wochen einen märchenhaften aufstieg hinter sich gebracht und den bischof sowie den kardinal einfach übersprungen.
Ein kunde stiftete jüngst seine kunstsammlung der öffentlichen hand, für die ich ihm wohl einen vier- oder fünfstelligen betrag bezahlt hätte. Anschließend feilscht er bei mir um 5€. Wie passt das zusammen?
Im entwurf eines behördlichen textes über mein antiquariat heißt es: „Die Liebe zu Büchern ist, was den erfolgreichen Antiquator am meisten antreibt.“ ANTIQUATOR! Es gibt antiquar und auktionator. Und terminator. Aber DAS! Schüttel. Zum glück durfte ich korrektur lesen. Anders als bei einem andern PR-text, wo PROVIENZEN statt provenienzen unbemerkt stehen bleib.  
Gerade ist eine kundin aus dem 12 km entfernten betzingen gegangen. Sie wohnt dort direkt neben dem haus, in dem der maler egbert patzig gelebt hat, dessen kompletten nachlass ich hier habe. Jetzt zieht sie um in ein haus, aus dessen nachbarhaus ich diesen Mittwoch erst möbel geholt habe.
Michael Walzer (* 1935 in New York) ist Sozial- und Moralphilosoph sowie bedeutender US-amerikanischer Intellektueller und gab dem schweizer fernsehen ein langes interview, das am 11.11.2012 in 3sat ausgestrahlt wurde. Darin behauptet er, rousseau halte den menschen ohne gesellschaft für  „a solitary beast“, d.h. eine einzelgängerische bestie. Nun hat rousseau, den manche für den bedeutendsten menschen aller zeiten halten, da er die größte aller wirkungen gehabt haben könnte, insbes. auf die französ. Revolution, meines wissens genau das gegenteil gesagt, nämlich „l’homme seul est bon“, d.h. der mensch ist gut, wenn er allein ist, aber die gesellschaft mit anderen korrumpiere ihn, da er neidisch werde und sich vergleiche. Inzwischen gab mir prof. walzer recht.
Heute wird in der Pfleghofstraße 6 in Tübingen ein Naturkostladen eröffnet. Nicht einmal im Stadtarchiv TÜ ist auf Anhieb bekannt gewesen, dass sich 1946 in demselben Haus eine Filiale des Stuttgarter Kunsthauses Schaller befand, vormals königlicher Hoflieferant. Bis 2009 hatte ich direkt gegenüber 25 Jahre lang mein Antiquariat, das zwar nicht als Hoflieferant fungierte, an dem aber immerhin Boris Palmer mehrfach vorbeigeradelt ist.
Ich lese gerade ein buch von peter bamm über alexander den großen, das ca 20x bei mir im laden herumsteht (ab 1€). Ich weiß nicht einmal, ob ich je auch nur ein einziges exemplar davon verkauft habe. Dass es so oft im antiquariat gelandet ist, kommt zwar sicher daher, dass es sich einst als neuerscheinung erfolgreich verkauft hat. Aber heute? totales desinteresse, zumindest seitens meiner kundschaft. Teil meines lesegenusses ist die gewissheit, dass das desinteresse an dem buch nichts mit seinem wertvollen inhalt zu tun hat, denn Alexander hat nach bamm die welt wie kein zweiter verändert, indem er west und ost zusammenführte, so für gegenseitige durchdringung vorbereitete und dadurch selbst heute noch nachwirkt