Thomas Leon Heck
Willkommen auf thomasleonheck.de, der Seite des Dußlinger Auktionators, Verlegers, Antiquars und Kunstexperten Thomas Leon Heck.
2011 Februar
von dreistelligem wert, dann waren 10 kunden da, von denen keiner was kaufte. so war ich entsprechend mies drauf. da brachte mir ein entrümpler einige kisten bücher. kaum konnte ich arbeiten, ging es mir wieder besser, besonders, als ich noch eine postkarte fand eines bekannten, der heute 78 ist. als er sie 1972 schrieb, war er genau halb so alt! ich rief ihn an und fragte, was ich in solchen fällen gern tue: "was haben Sie am 8.7.1972 gemacht?" natürlich wusste er es nicht, im gegensatz zu mir, was mich diebisch freute. so war dies aber auch eine nette gelegenheit, nach jahren mal wieder miteinander zu plaudern.
2011 Februar
ein ca 80jähriger (das alter an sich ist noch nicht der alptraum) sucht ein gemälde. hab ich ca 1000 stück. es muss aber öl sein, kein aquarell - fallen also 500 weg. es darf auch nicht hochformat sein, sondern quer (macht 50% weniger auswahl). preisklasse bis maximal 150 euro. (noch mal ca minus 30%). und das maß darf weder über 70 cm quer sein noch darunter. so ist es beinahe ein wunder, dass ich am schluss 1 gemälde finde, das allen anforderungen genügt und ihm auch gefällt. doch es hat keinen rahmen. ich finde schließlich einen, der fast passt (ich habe ja 1500 rahmen). doch oben ist er 1 mm zu kurz (das könnte man abhobeln), an der seite 1 mm zu lang (den spielraum erträgt er nicht). der kunde sucht weiter nach einem geeigneten rahmen und geht dann mit den worten:"ich lass es. wenn Sie einen rahmen finden, der mir gefällt, nehm ich es vielleicht." auf meine verzweifelte frage, weshalb er sich keinen im rahmengeschäft machen lasse, der dann genau seinen vorstellungen entspricht, erhalte ich keine antwort. es dürfte am preis liegen.
2011 Februar
ein homophober mitarbeiter von mir stammt aus schottland. da er bei mir hausmeistertätigkeiten ausübt, begrüßte ich ihn einmal mit "good morning, merry steward" (was so klingt wie mary stuart, königin von schottland). er fand das zwar nicht so witzig wie ich, aber auch nicht schlecht.
2011 Februar
ich stand mal vor einem antiquitätenladen in der tübinger haaggasse. neben mir betrachteten 2 ältere damen ein gefäß, das bezeichnet war "bauernsilber". sagt die eine zur andern:"was ist denn BAUERNSILBER?" ich mischte mich ein und antwortete: "bauernsilber verhält sich zu silber wie bauernbutter zu butter." sie blickten mich so verständnislos an wie fast alle, denen ich dies erzähle, denn die einen wissen offenbar nicht, was bauernsilber ist (glas, das innen mit silberfolie ausgelegt ist, also arme-leute-silber), und die, die sich in der hochkultur auskennen, können mit bauernbutter nichts anfangen. (das ist ein offenbar obsoleter vulgärer ausdruck für sperma und denunziert bauern als dumm und roh und arm.) so habe ich erst ein einziges mal dafür ein herzhaftes lachen geerntet.
2011 Februar
da habe ich innerhalb weniger stunden kontakt mit dem sohn von hitlers justizminister hans frank (in nürnberg hingerichtet als "schlächter von krakau") und dem ehemaligen vermieter der linksterroristin ensslin. is doch extrem, oder?
2011 Februar
prof. dr. jürgen peiffer, TÜ, war kunde von mir. was soll dieses name-dropping, mag sich manche(r) nun fragen? es bereitet mir großes vergnügen, mich als spinne im "arachneischen gewebe der welt" (schiller) zu sehen, die einige fäden in der hand hält. die virtuelle gemeinschaft mit großen oder extremen geistern ist zudem ein außergewöhnlicher genuss.
2011 Februar
ist es schon ein seltsamer zufall, wenn ich gestern teile der bibliothek des tübinger künstlers gerhard halbritter bekomme, der ihr in stammheim die totenmaske abgenommen hat!
2011 Februar
so wie hier: für meinen tresor hatte ich nur 1 schlüssel. aus sorge, den mal zu verlieren, fragte ich beim schlüsseldienst, was dann passieren würde. dort sagte man mir, dass dann der tresor aufgebrochen werden müsste und anschließend wertlos wäre. daher gab ich den schlüsel dort ab und ließ mir einen zweiten anfertigen. der schlüsselmacher verlegte aber beide, so dass ich nun den tresor aufbrechen lassen muss, was ohne meine vorauschauende sorge womöglich ein leben lang NIE passiert wäre...
2011 Februar
(die welt will betrogen sein): die unten stehende anekdote mit der bibel, die mal nachweislich dem herzog von württemberg gehörte, erinnert mich an ein erlebnis vor ca 27 jahren, als mir ein balinger seine bibel anbot (ich war sogar extra deswegen dorthin gefahren), angeblich ebenfalls aus herzoglich württembergischen besitz. doch ich musste ihn enttäuschen: es gab da nur eine gedruckte widmung der herausgeber auf dem titelblatt an den herzog! entsprechend niedrig fiel der schätzpreis aus. fast hätte mich der mann beschimpft. mein ebenfalls anwesender kollege, der offenbar besser erkannte, was der mann hören wollte, sagte ihm: Sie haben recht, das ist eine ganz wertvolle bibel. woraufhin er ihn lobte: SIE sind anständig...