dem ich sehr viele meiner kenntnisse über graphik verdanke, hier folgende anekdote: da herr obst alte grafik sammelte, wollte ich ihm einmal einen kupferstich von philippus galle anbieten. um dies nicht zu vergessen, notierte ich: "obst wg galle" und musste beim wiederlesen lachen über diese vermeintliche diätanweisung
habe ich meinen neuen laden in dusslingen eröffnet und diesen schritt keinen tag bereut. es war eine einsame entscheidung damals. aber entgegen den prognosen meiner bank, die den umzug nicht finanziert hat, bin ich nicht bankrott gegangen wegen der ausbleibenden laufkundschaft. der buchabsatz ist zwar tatsächlich um 90% zurückgegangen, dafür habe ich aber noch nie so viele gemälde (weil man sie nun besser hängen sieht) verkauft und möbel (weil ich vorher nur 5 hatte, jetzt 500). der nachschub ist eh kein problem: ich könnte täglich meine sämtlichen liquiden mittel in den ankauf irgendwelcher sachen investieren.
recherchen in antiquariatsforen ergeben, dass die meisten händler die luxuriöse applikation auf dem einband als elfenbein deklarieren, was falsch ist! da zeigt sich der vorteil meiner beruflichen kombination von kunst- und buchhändler, nicht nur für mich, sondern auch für meine kunden.
der schah von persien soll auf seinem schreibtisch den spruch stehen gehabt haben: "gib mir, gott, die kraft, dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die dinge auszuhalten, die ich nicht ändern kann, sowie die weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden. F.C. Oetinger". doch der - hier nur sinngemäß zitierte - spruch ist gar nicht von oetinger. aber was ändert das an seiner weisheit? hübsch daran ist auch, dass ich von oetinger, dem pietistischen schwabenvater, eine handschrift entdeckt habe (das erste bekannte manuskript für ein später erschienenes buch!) sowie die geschenke erworben habe, die der schah dem bundeskanzler kiesinger mitbrachte anlässlich seines staatsbesuchs in der brd 1967, der die 68-er revolution ausgelöst hat.
ich verkaufte jüngst einen linolschnitt von robert förch. die kundin erwarb woanders dann noch sein werkverzeichnis, das sie mir zeigte. ich merkte, dass er nur linolschnitte gemacht hat, nie holzschnitte, so dass der förch, der in einem holzschnittmuseum hing, nur aufgrund eines irrtums dort präsentiert wurde. man soll ohnehin nicht denken, dass museen frei von irrtümern sind. mein größter triumph war, als ich entdeckte, dass das reutlinger kunstmuseum anlässlich einer keller-reutlingen-ausstellung eine fälschung aufs plakat gesetzt hatte! der skandal hätte bei rücksprache mit mir vermieden werden können, da ich das werkverzeichnis für keller-rt mache. eine staatsgalerie veräußerte mir eine grafikdoublette . nach jahren erst merkte ich, dass ich eine kopie erworben hatte, die dort aber als original geführt wurde. da der leiter der graphischen sammlung inzwischen verstorben war, hatte ich aber keine chance zur reklamation.